Protest gegen Ausbau der A 39: Polizei räumt Baumhäuser der „Flederhörnchen“
Der Aufenthalt in den Bäumen sei gefährlich, argumentiert die Behörde. Die Aktivist*innen dagegen sehen die Räumung bei Schnee und Eis als Gefahr.
dpa/taz | Die Polizei will zwei Baumplattformen eines Protestcamps in einem Waldstück bei Lüneburg entfernen. Seit Mitte Dezember demonstrieren dort einige Aktivist*innen, die sich Aktionsgruppe Flederhörnchen nennen, gegen den Ausbau der Autobahn 39.
Am späten Montagnachmittag hieß es bei der Polizei, es seien „drei Versammlungsteilnehmende von den Plattformen auf den Boden begleitet“ worden. An dem Einsatz beteiligt waren die Polizeiinspektion Lüneburg/Lüchow-Dannenberg/Uelzen, die Bereitschaftspolizei Lüneburg sowie die Technische-Einsatz-Einheit aus Hannover. Die Räumung habe „aufgrund der anhaltenden und zunehmenden Gefahrenlage und des unzulässigen Dauerzustands“ stattgefunden.
Die „Flederhörnchen“ halten Ersteres für vorgeschoben. „Der jüngste Schneesturm hat gezeigt, dass die Besetzung sicher aufgebaut ist“, schrieben die Aktivist*innen der taz. Die Polizei sage, sie handele zur Abwehr von Gefahren, habe aber mit einer Räumung unter den aktuellen Wetterbedingungen selbst Gefahren geschaffen, kritisiert die Gruppe. Die Räumung berge zudem Gefahren für das Klima, denn sie solle ja den Ausbau einer Autobahn ermöglichen.
Die CO₂-Emissionen im deutschen Verkehrssektor sind im vergangenen Jahr wieder angestiegen, wie Berechnungen der Denkfabrik Agora Energiewende gerade gezeigt haben. Die Expert*innen führen das auf die steigende Zahl von Autos und ein höheres Verkehrsaufkommen zurück.
106 Kilometer neue Autobahn geplant
Manche Pendler*innen sehnen das fehlende Teilstück der A 39 zwischen Lüneburg und Wolfsburg herbei, Naturschützer*innen und andere Kritiker*innen halten den Bau hingegen für überflüssig und wehren sich auch vor Gericht.
Insgesamt ist das seit Jahren umstrittene Teilstück zwischen Lüneburg und Wolfsburg rund 106 Kilometer lang. Die Investition bezifferte die für die Umsetzung zuständige Autobahn GmbH Anfang des Jahres mit 1,5 bis 2 Milliarden Euro.
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