Protestsong von Bruce Springsteen: Der Boss steht auf der richtigen Seite
Sänger Bruce Springsteen hat am Mittwoch „Streets of Minneapolis“ in Solidarität mit den Protesten veröffentlicht. Er knüpft damit an eine linke US-Tradition an.
Ein gutes Beispiel für die mögliche Direktheit von Musik. Entweder man nimmt abrupt die Kopfhörer aus den Ohren, weil dieses Lied ja etwas Rockistisches hat, der Boss halt. Oder das Lied schlägt eine Saite bei einem an. Auf jeden Fall ist, so oder so, auf der Stelle klar, worum es geht.
Dass Bruce Springsteen gegen Trump und ICE ist, ist keineswegs überraschend. Er hat sich auf der Bühne und medial schon mehrfach gegen die autokratischen Tendenzen des MAGA-Amerika ausgesprochen. Doch das reine Protestieren reicht nicht mehr, sagt sein Song „Streets of Minneapolis“.
Ein Moment von „Genug ist genug“ in Richtung des rechten Amerika liegt in ihm, die Erschießungen von Renee Good und Alex Pretti durch ICE-Paralmilitärs waren die Umdrehung zu viel. „We’ll remember the names“, singt Springsteen. Und das Lied enthält, ohne es auszusprechen, auch dieses Pete-Seeger-Moment von „Which Side Are You On?“. Er ist eine Hymne auf die Anti-ICE-Aktivisten in Minneapolis: „Whistles and phones / Against Miller and Noem’s dirty lies“.
Sie zerstören unser Zuhause
Während in Europa Politiker und Intellektuelle darüber nachdenken, wie man sich von den USA lösen kann, schreibt sich Springsteen in die Tradition des US-Protestsongs ein und erinnert an die andere, die gute Seite der USA. Mehr noch, er behauptet mit seinem we die selbstverständliche Existenz dieser guten Seite – „Here in our home they killed and roamed“, singt er. Our home!
Die sind also die Außenseiter, und es ist klar, wer gemeint ist: die gepanzerten ICE-Männer. Das ist nicht subtil. Das ist auch Mainstream, so wie es hier mit gepresster Stimme gesungen wird. Aber in der gegenwärtigen Situation muss man eben direkt sein, das sagt Bruce Springsteen in diesem Lied.
Bei alledem kann man auch an einen inzwischen fast ein halbes Jahrhundert alten anderen Song denken: an „Ohio“ von Neil Young, performed von Crosby, Stills, Nash & Young. Nachdem in Ohio, an der Kent State Universität, 1970 vier Studenten bei einer Antikriegsdemonstration von der Nationalgarde erschossen worden waren („Tin Soldiers and Nixon coming“), fragte Neil Youngs klagende Stimme in dem Lied immer wieder: „Why?“ Das fragt Bruce Springsteen gar nicht erst, muss er auch nicht, die Hintergründe sind ja ganz klar. Man kann nur hoffen, dass er mit seiner kämpferischen Attitüde recht behält.
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