piwik no script img

Projekt der BundesregierungWenn plötzlich alle von Peru reden

Bernd Müllender
Kolumne
von Bernd Müllender

Hubert Aiwanger und eine Ex-AfDlerin reden neuerdings über „Radwege in Peru“. Die benutzen sie nur, um etwas völlig anderes anzugreifen.

Zwischen Agrardiesel und Radwegen in Peru besteht für manche ein Zusammenhang – ist das schon whataboutism? Foto: Michael Matthey

S top mit dem Wahnsinn!“ Dieses Treckerplakat fiel am Montag am Aachener Tivoli-Stadion gleich auf. Nun sind die Wirte des Landes keine Germanisten. Aber Internationalisten? Der Hauptredner überraschte jedenfalls bei seiner Ampel-Attacke, statt für ölige Dieselbeihilfen gebe sie Geld lieber „für Radwege in Peru“ aus. Jubelnder Applaus.

Radwege in Peru? Auch der Kollege der Lokalzeitung ist ratlos. Aber in Bayern hatte gleichzeitig Hubert Aiwanger, ja: „Radwege in Peru“ gegeißelt. Was ist da los?

Im Netz findet sich die Rede der einstigen AfD­lerin Joana Cotar, die im Bundestag gerade die Klimaprojekte der Regierung verhöhnt hatte, etwa, klar: wegen der „Radwege in Peru“. Der Lokalkollege meldet zurück, mehrere Medien hätten kürzlich berichtet, dass die Bundesrepublik Millionen „für Radwege in Peru und andere fragwürdige Projekte“ ausgeben wolle.

Aha, peruanische Radwege sind offenbar eine Chiffre für den Ampel-Hass von AfD über Freie Wähler bis hin zu den Bauern, von wohlmeinenden Blättern orchestriert. Nur: Wie mag es sich in Peru so radeln? Weiß das jemand?

Unser Mittel gegen Antifeminismus

Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen

Bernd Müllender
Sohn des Ruhrgebiets, Jahrgang 1956, erfolgreich abgebrochenes VWL- und Publizistikstudium, schreibe seit 1984 für die taz – über Fußball, Golf, Hambacher Wald, Verkehrspolitik, mein heimliches Lieblingsland Belgien und andere wichtige Dinge. Lebe und arbeite als leidenschaftlich autoloser Radfahrer in Aachen. Seit 2021 organisiere und begleite ich taz-LeserInnenreisen hierher in die Euregio Maas/Rhein, in die Nordeifel und nach Belgien inkl. Brüssel. Bücher zuletzt: "Die Zahl 38.185" - Ein Fahrradroman zur Verkehrswende (2021). "Ach, Aachen!" - Textsammlung aus einer manchmal seltsamen Stadt (2022).
Mehr zum Thema

0 Kommentare