Probleme mit Corona-Impfstoff: Neue Sorgen mit AstraZeneca
In Dänemark wird das Impfen mit dem Vakzin zunächst ausgesetzt. Geimpfte hatten mit zum Teil schweren Blutgerinnseln zu kämpfen.
Foto: Ronny Hartmann/dpa
taz/afp | Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hat empfohlen, den Impfstoff von Johnson & Johnson zuzulassen. Wenn die EU-Kommission sich dieser Empfehlung anschließt – was eine reine Formsache ist –, gibt es damit in Europa ab sofort einen vierten Corona-Impfstoff. Er hat den Vorteil, dass er problemlos gelagert werden kann und nur eine Impfdosis erforderlich ist. Doch diese gute Nachricht aus Brüssel wurde überschattet von neuen Problemen.
Zum einen ist unklar, ab wann der neue Impfstoff tatsächlich genutzt werden kann. Denn obwohl er in den Niederlanden entwickelt wurde, erfolgt die Abfüllung bisher komplett in den USA. Und weil die den Export von Impfstoffen verboten haben, könnte das Unternehmen Probleme haben, die Lieferverpflichtung gegenüber der EU einzuhalten. Die EU-Kommission zeigte sich aber zuletzt zuversichtlich, dass die bestellten Mengen trotzdem in der EU ankommen.
Zum anderen gibt es neue Vorbehalte gegen den Impfstoff von AstraZeneca: Dänemark hat dessen Nutzung am Donnerstag für 14 Tage gestoppt. Grund dafür seien Berichte über schwere Fälle von Blutgerinnseln bei Personen, die damit geimpft worden seien, teilte die dänische Gesundheitsverwaltung mit.
Die europäischen Arzneimittelbehörden hätten vor dem Hintergrund eine Untersuchung des Impfstoffs eingeleitet. Ein Bericht beziehe sich auf einen Todesfall in Dänemark. Man könne jedoch zu diesem Zeitpunkt noch nicht feststellen, ob ein Zusammenhang zwischen dem Vakzin und den Blutgerinnseln bestehe.
Sprecher von AstraZeneca
Deutschland impft weiter mit AstraZeneca
Die Firma AstraZeneca gab sich zunächst zurückhaltend. Man sei sich der dänischen Entscheidung bewusst, sagte ein Sprecher des britisch-schwedischen Pharmakonzerns. „Die Sicherheit des Impfstoffs ist in klinischen Phase-III-Studien ausführlich untersucht worden und die von Experten begutachteten Daten bestätigen, dass der Impfstoff generell gut verträglich ist“, hieß es.
Auch Norwegen setzte die Nutzung von AstraZeneca am Donnerstag aus; andere EU-Staaten wollen zumindest keinen Impfstoff aus der betroffenen Charge mehr nutzen.
In Deutschland sieht das Bundesgesundheitsministerium dagegen derzeit keinen Anlass für einen solchen Schritt. „Nach jetzigem Stand gibt es noch keine Hinweise darauf, dass der Todesfall in Dänemark mit einer Corona-Impfung ursächlich in Verbindung steht“, erklärte ein Ministeriumssprecher.
Das Impfen in deutschen Arztpraxen startet unterdessen später als zunächst geplant: Statt Anfang April soll es nun „spätestens am 19. April“ flächendeckend beginnen, hieß es nach einem Gespräch der Gesundheitsminister*innen aus Bund und Ländern am Mittwochabend.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert