Preis der Nationalgalerie Sandra Mujinga: Invasion der Architektur
Sandra Mujinga, Trägerin des Preises der Nationalgalerie, eröffnete ihre Installation „IBMSWR“ in Berlin. Ihre Kunst befragt die Architektur der Gesellschaft.
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Als Sandra Mujinga die Vorführung zur Eröffnung ihrer Berliner Ausstellung am vergangenen Donnerstag eigentlich schon beendet hatte, da äußerte sie noch einen sonderbaren Gedanken: „Sollte es einmal eine Invasion von Außerirdischen geben, so findet sie in der Architektur statt.“
Das sagt sie, gekleidet in einen schwarzen Seidenrock, unter dessen barockem Faltenwurf die hochgeschnürten Springerstiefel hervorlugen. Als Kind kongolesischer Eltern 1989 in Goma geboren, in Norwegen aufgewachsen, scheint sie zu verschwinden in den dunklen Stoffen ihrer Kleidung.
Hinter ihr die gigantische Installation. Ein großer schwarzer Block, neun Meter hoch, über zehn Meter lang. Er steht da wie der Monolith in Stanley Kubricks Epochenwerk „2001: Odyssee im Weltraum“. Geschlossen von einem meterhohen LED-Screen, kommt darauf ab und zu eine dunkle Gestalt aus der Tiefe hervor. Dicke, faltige Haut, schwere Augenlider, tänzelnde Füße. Ein Mensch? Ein Elefant? Noch bevor man es erfassen kann, verschwindet die Gestalt auf dem Bildschirm.
Schwarz auf schwarz
Sandra Mujinga: IBMSWR: I Build My Skin With Rocks, Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart, Berlin 09.12.2022 bis 01.05.2023
Das Schwarze mit der Kamera bei Dunkelheit einzufangen sei in der technischen Geschichte des Films eine Herausforderung gewesen, sagt Mujinga, denn es ist auf dem abgelichteten Bild kaum sichtbar. So schwingt in dieser Sci-Fi-Installation auch das Motiv der Überwachung, der bildlichen Erfassung von Menschen mit, vielleicht von eben jenen „Fremden“, vermeintlich „Illegalen“, wie wir sie von den Grenzen Europas, vom Tunnel bei Calais kennen.
Sandra Mujinga ist Trägerin des „Preises der Nationalgalerie“. Jetzt zeigt sie im Hamburger Bahnhof ihre Installation „IBMSWR: I Build My Skin With Rocks“. Als Mujinga sie eröffnete, wurde in Großbritannien Veronica Ryan mit dem Turner Prize ausgezeichnet.
Veronica Ryan, Jahrgang 1956, hatte im letzten Jahr mit einer Skulptur aus überdimensionierten Karibikfrüchten auf den Skandal um die sogenannte „Windrush-Generation“ öffentlich reagiert. Tausende Einwander:innen aus dem karibischen Commonwealth waren zwischen 1948 und 1971 als Arbeitskräfte von Großbritannien angeworben worden. Doch die einwanderungsfeindliche Politik des Landes verhinderte über Dekaden ihren legalen Status.
Die soeben gekürten Heldinnen der Kunst, Sandra Mujinga und Veronica Ryan, sie befragen auch eine Architektur unserer Gesellschaft, nämlich die einer juristischen und technischen Feindseligkeit.
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