Polizeiruf 110: Mit diesem Ende rechnen die Kommissare nicht
Es ist der dritte und letzte „Polizeiruf 110“ in Halle an der Saale. Ein Abschied, inklusive Tränen vor dem Kamin und einer toten Oma.
Ein „Polizeiruf“ geht zu Ende, eine neue Kolumnistin fängt an: Irgendetwas Hochsymbolisches verbirgt sich sicherlich in dieser Parallele. Was für mich nun ein Grund zu feiern ist, war für die Schauspieler Peter Kurth (68) und Peter Schneider (51) die dritte und damit auch schon wieder letzte Folge ihrer 2021 gestarteten Reihe um das Ermittlerduo Henry Koitzsch und Michael Lehmann aus Halle.
In einem Interview mit der Fernsehzeitschrift Hörzu (ja, es gibt sie noch) zeigen sich die beiden Schauspieler reichlich bedröppelt vom Ende „ihres“ Polizeirufs.
„Polizeiruf 110: Der Wanderer zieht von dannen“, 15. 2. 26, 20.15 Uhr, ARD
Sie hätten vergangenes Jahr davon aus Medienberichten erfahren, also genauer gesagt, dass nur drei Folgen von vornherein angelegt gewesen seien. Warum es nicht weiterginge, verstünden sie selbst nicht so genau, die Kommunikation sei nicht so gut gewesen, erzählen die Schauspieler, und eigentlich würden sie sich daran erinnern, dass man nach ein paar Folgen über die Zukunft sprechen wollte.
Die Wege der ARD, sie bleiben unergründlich. Klar ist nur: Der Hallenser „Polizeiruf“-Ableger, mit Fanfaren zum 50-jährigen Jubiläum der Serie gestartet, findet ein Ende. Trotz des offensichtlichen Spaßes der beiden Hauptdarsteller an der Saale, wohl stabilen Einschaltquoten und drei aufeinander abgestimmten Drehbüchern vom preisgekrönten Leipziger Schriftsteller Clemens „Ihr verdammten Wichser!“ Meyer. Doch was passiert im letzten „Polizeiruf“ mit Koitzsch und Lehmann?
Die Handlung ist nur Nebensache
Eine alte Dame stirbt in ihrer Badewanne. Der Tod stellt sich als Mord heraus – und der Fall führt die beiden Kommissare zurück in die Vergangenheit, zu ihren eigenen ungeklärten Fällen (wie etwa aus der ersten Folge der Reihe), in die DDR und die Nachwendejahre. Aber das ist nur Oberfläche, denn auf der Metaebene beschäftigt sich die Folge „Der Wanderer zieht von dannen“ mit Einsamkeit. Ein lobenswertes Unterfangen, ist Einsamkeit doch eine der drängendsten sozialen Herausforderungen der Gegenwart.
Lange verkündeten Studien, dass im Osten die Bevölkerung einsamer sei als im Westen, die Einsamkeit sogar ein Treiber der Hinwendung zur AfD wäre. So politisch aufgeladen wird’s bei unseren Protagonist:innen hier nicht, aber mutterseelenallein sind oder fühlen sich trotzdem alle: die Opfer der mysteriösen Mordserie, die Nebencharaktere, die Kommissare sowieso. Und natürlich, so viel sei verraten, auch die potenziellen Täter.
Doch zieht die Handlung, wie der titelgebende Wanderer, am Publikum vorbei. Das liegt an den Rückgriffen auf die ersten zwei Ausgaben der Reihe, aber vor allem auch an den halbmotivierten Nebenschauplätzen und Nebelkerzen.
Am Schluss hätte man auch gut auf die falschen Fährten und vor allem die fast schon offensiv karikaturhaften Frauenfiguren verzichten können. Wenn schon Mackerzirkus, dann bitte ehrlich. Denn in genau solchen Momenten ist der Film am stärksten, wenn Regisseur Thomas Stuber und Autor Meyer nicht so tun müssen, als würden weibliche Protagonist:innen sie jenseits von Klischees interessieren. (was von einer anderen Figur als bemitleidenswert dargestellt wird, für mich allerdings nach einem ziemlich guten Abend klingt).
Allein wegen der Spielfreude der beiden Hauptdarsteller ist’s schon schade um dieses Ermittlerteam. Aber wo eine Tür zugeht, geht eine andere auf. Leider nicht für den „Polizeiruf“ in Halle, aber immerhin für diese Kolumnistin.
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