Poesie des Aufschubs: Gleich geht’s los. Gleich geht’s los. Gleich geht’s los
Die Freibadwiese ist längst eine Wüste, die Kioskschlange endlos. Während am Beckenrand ein Kind ausharrt und auf den perfekten Moment wartet.
D a war dieses Kind in der gelben Badehose. Es saß am Beckenrand, in der Hocke, die Arme weit ausgestreckt, spitz zulaufend, als ob es gleich einen Kopfsprung macht. Die Fingerspitzen waren nur wenige Zentimeter von der Wasseroberfläche entfernt.
Es saß da ganz versonnen, ruhig, vor sich hin lächelnd, mit einem hoffnungsvollen Leuchten in den Augen. Wenn man näher kam, sah man, dass es ganz leise flüsterte. Es sagte immer wieder dasselbe. Wenn man noch näher kam, konnte man hören, was es sagte: Gleich geht’s los. Gleich geht’s los. Gleich geht’s los. Gleich geht’s los.
Am Kiosk war eine lange Schlange, wie immer. Ich legte mich stattdessen auf die Wiese – die zur Wüstenlandschaft geworden war. Vor ein paar Jahren war die Wiese noch grün gewesen. Von Weitem sah ich eine Gruppe Kinder unter dem Pilz stehen, aus dessen Rändern Wasser kommt. Sie lachten sich halbtot über irgendwas, das Kinder lustig finden. Auf meinem Weg zurück zum Becken kam ich wieder an dem Kind in der gelben Badehose vorbei.
Es saß in derselben Position am Beckenrand, ganz allein, die Arme weit ausgestreckt, spitz zulaufend, nur wenige Zentimeter von der Wasseroberfläche entfernt. Ich kam unauffällig noch einen Schritt näher. Immer noch markierte es den Kopfsprung, der jede Sekunde stattfinden sollte, noch immer hatte es denselben hoffnungsvollen Gesichtsausdruck, noch immer wiederholte es immer denselben Satz: Gleich geht’s los. Gleich geht’s los. Gleich geht’s los. Gleich geht’s los. Gleich geht’s los.
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