Ozempic: Medikament gegen Diabetes soll in der Suchtmedizin helfen
Der Wirkstoff Semaglutid beeinflusst das Hunger- und Sättigungsgefühl. Nun haben Forschende untersucht, wie er sich auf Sucht auswirkt.
Das Medikament Ozempic hat die Wissenschaft und die Pharmaindustrie in Aufruhr versetzt. Eigentlich als Mittel gegen Diabetes und Übergewicht entwickelt, wird Ozempic in den USA inzwischen von A-Prominenten als Abnehmdroge genutzt. Und nun zeigt eine neue Studie: Das Medikament könnte auch in der Suchtmedizin eingesetzt werden.
Eine Suchterkrankung basiert auf einer Fehlsteuerung des Belohnungssystems. Suchtstoffe aktivieren Botenstoffe wie Dopamin, die Wohlbefinden auslösen, dadurch nimmt das Gehirn das Suchtmittel als positiven Reiz wahr. Semaglutid, der Wirkstoff von Ozempic, beeinflusst die Dopaminreaktionen im Zusammenhang mit der Nahrungsaufnahme sowie das Hunger- und Sättigungsgefühl. Dadurch könnte es helfen, impulsives Essen und den Konsum von Alkohol zu verringern.
Die Studie
Um die Wirkung von Semaglutid auf den Alkoholkonsum zu erforschen, untersuchten Wissenschaftler:innen 48 Personen mit Alkoholkonsumstörung. Sie verabreichten ihnen wöchentlich entweder eine niedrige Dosis Semaglutid oder ein Placebo. Dabei wurde die Alkoholkonzentration im Atem gemessen. Die Teilnehmenden führten außerdem ein Trinktagebuch, in dem sie notierten, an welchen Tagen sie wie viel getrunken haben, und gaben eine subjektive Einschätzung ihres Verlangens ab. Das Experiment lief über neun Wochen. Die Ergebnisse zeigen, dass Semaglutid das Verlangen nach Alkohol und allgemein die Anzahl der täglich konsumierten Getränke signifikant verringerte, was auf einen reduzierten Appetit zurückzuführen sein könnte. Die Studie wurde im Fachmagazin JAMA Psychiatry veröffentlicht.
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Was bringt’s?
Bevor das Medikament als Therapieoption etabliert wird, sind weitere groß angelegte Studien und Langzeitdaten erforderlich, um die Wirksamkeit und Sicherheit umfassend zu bewerten. Die möglichen Nebenwirkungen von Ozempic sind bereits bekannt – die Liste reicht von Übelkeit bis hin zur Bauchspeicheldrüsenentzündung. Eine dauerhafte Einnahme des Medikaments ist aber auch aufgrund der Kosten fraglich. In Deutschland kostet ein Fertigpen für eine Injektion des Wirkstoffs zwischen 70 und 80 Euro.
Dennoch bleibt Suchtforscherin Carolina Haass-Koffler von der Brown University optimistisch: Die Datenlage zu Semaglutid im Kontext von Diabetes reiche bis ins Jahr 2005 zurück – eine solide Grundlage für weitere Forschung. „Grade stehen wir noch ganz am Anfang“, sagt Suchtforscher Joseph Schacht von der University of Colorado. Ihn stimme aber positiv, dass die Pharmaindustrie erstmals seit Jahrzehnten wieder Interesse an neuen Therapieansätzen gegen Alkoholabhängigkeit zeige. Sie sind sich einig, dass Ozempic kein Allheilmittel ist – sondern eher ein ergänzendes Medikament, das für die Forschung von großem Interesse ist und bei der Pharmaindustrie die Kassen klingeln lässt.
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