Outfits beim G7-Gipfel: Die glorreichen Sieben

Beim G7-Gipfel in Elmau konferierten die Staats- und Regierungschefs drei Tage lang krawattenlos. Das Ende einer Ära?

Boris Johnson Olaf Scholz Charles Michel und andere stehen unsortiert an einer Treppe in Schloss Elmau

Schloss Elmau: Männer ohne Krawatte suchen ihren Platz Foto: Rousseau/Pool via reuters

„Männer sind allzeit bereit, Männer bestechen durch ihr Geld und ihre Lässigkeit“, sang Herbert Grönemeyer in seinem Lied „Männer“ von 1984.

Diese Lässigkeit haben die glorreichen sieben bei ihrem Gipfel in Elmau durch Krawattenlosigkeit demonstriert. Und durch Witze über ihren gemeinsamen Gegner: Putin.

„Jacken an? Jacken aus?“, fragte der britische Premierminister Boris Johnson in Elmau vor Fotografen. Kanadas Regierungschef Justin Trudeau schlug vor, damit zu warten. Johnson darauf: „Wir müssen zeigen, dass wir stärker sind als Putin.“ Und Trudeau merkte an, man könne sich ja wie Putin 2009 auch beim „Reiten mit nacktem Oberkörper“ ablichten lassen.

Echte Männer, aber echte Männer, die eben locker rüberkommen wollen.

Als das „Ende einer Ära“ bezeichnete der amerikanische Blogger und Kolumnist Matthew Yglesias das auf Twitter und spielte damit auf den letzten Gipfel unter der Führung Angela Merkels 2015 an. Damals war sie die Einzige, die die Gruppenfotos etwas auflockerte – kleidungstechnisch und, na ja, überhaupt. Alle männlichen Teilnehmer ­trugen Anzug und: Krawatte. Das einzig individuelle dieser Uniformen war die Farbe des hängenden Halsschmucks. In diesem Jahr verzichteten die Regierungschefs auf den Farbtupfer über der Knopfleiste (und auf Merkel).

„Männer führen Kriege, Männer sind furchtbar schlau“

Man könnte sich fragen, ob es reicht, die Krawatten abzulegen und ein paar Witze zu reißen, um andere von der eigenen Individualität und Lockerheit zu überzeugen. Wenn alle das Gleiche machen, die Lockerheit konzertiert ist, dann wirkt sie nicht wirklich lässig, sondern aufgesetzt. Insofern ist dieses Jahr nur anders gleich.

Das grundsätzliche Festhalten an alten Modekonventionen bleibt – und wirkt deshalb trotz kleiner Veränderungen gestrig. Viel wichtiger als modische Inszenierung sind ohnehin die Fragen unserer Zeit, die schrecklich akut sind. Schlauer wäre es deshalb vielleicht, sich beim nächsten G7-Gipfel morgens den Wetterbericht anzuschauen und die Garderobe entsprechend praktisch zu wählen.

Wir wissen doch, wie wichtig und männlich die Staatsoberhäupter der sieben bedeutendsten Industriestaaten der westlichen Welt sind, auch ohne Anzug und Krawatte. Frei nach Grönemeyer: „Männer führen Kriege, Männer sind furchtbar schlau, Männer bauen Raketen, Männer machen alles ganz genau.“

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