Online-Glücksspiele werden legal: So zockt man richtig

Die Bundesländer wollen Online-Glücksspiele regulieren. Was illegal ist, wird legal. Wirklich reich wird jedoch nur, wer diese Spielregeln beachtet.

In Brillengläsern spiegelt sich eine Online Glücksspielseite.

Ab in die Spielhalle: das Casino zu Hause am Rechner Foto: Christoph Hardt/imago

Jackpot für alle Zocker*innen: Die Bundesländer wollen virtuelles Glücksspiel legalisieren. Der noch zu unterzeichnende Staatsvertrag soll laut Entwurf für Online-Casinos, Online-Poker und Online-Automatenspiele gelten.

Ist auch viel besser so, gezockt wird ohnehin, findet die taz-Casino-Redaktion. Onlinecasinos und Wettanbieter genießen allerdings nicht den besten Ruf.

Aktuell herrscht beim Glücksspiel im Internet die pure Anarchie. Wer möchte, kann alles einzahlen, was ihr oder ihm zur Verfügung steht und darüber hinaus. Anbieter*innen setzen sich also aktuell über das staatlich Verbot hinweg und machen ihre Klient*innen immer reicher. Kontrolle? Bislang Fehlanzeige. Online-Glücksspiel boomt! Und das Beste: Jeder kann mitmachen.

Was soll ich spielen?

Erfahrene und reiche beziehungsweise an Erfahrung reiche Spieler*innen raten: Alles! Beispiel Sportwetten. Jenseits der altbekannten Fußball-Top-Ligen gibt es unzählige Möglichkeiten, Zeit und Geld zu verdaddeln: Man kann auf Spiele der belgischen Frauen-Liga wetten oder auch auf Spiele aus Polen, Nordirland und deutscher Drittligavereine.

Aber nicht nur Fußballwetten sind ein Muss. Wer möchte, kann auch auf Hunderennen oder Sportfischen wetten. Oder darauf, ob ein Dildo bei einem American-Football-Match auf das Grün fliegt. Aber auch die tollen, bunten Onlinecasinos sprechen Menschen aller Altersklassen an. Da gibt's von Poker über Roulette bis zu den klassischen Walzenautomaten so ziemlich alles, was das Herz begehrt. Früher musste man sich noch in vollgequalmten Spelunken mit den ganzen anderen reichen Zocker*innen um einen Platz vor dem Automaten prügeln. Heute geht das per Smartphone vom Klo, von der Arbeit oder anderen Lieblingsorten aus. Ganz bequem.

Wie viel muss ich geben?

Promis wie Oliver Kahn sind immer ein gutes Zeichen. Kahn macht Werbung für einen führenden Anbieter von Sportwetten. Wenn der Titan, das Idol vieler heute stinkreicher Onlinezocker*innen, sagt: „Ihre Wette in sicheren Händen“, dann muss das so sein. Der Mann hat früher alles, na ja, fast alles, gehalten – so bestimmt auch dieses Versprechen. Mein Geld in seinen Händen – kann nur gut gehen.

Wichtige Lektion zu Beginn: Wer Erfolg haben will, muss sich richtig reinhängen. Keine halbe Sachen. Die Mittagspause, aber auch die Zeit von Arbeitsbeginn bis Mittagspause und die Zeit nach der Mittagspause bis Feierabend muss genutzt werden. Sonst gehen den Wettanbiet… äh Spieler*innen ganz schnell tausende Euro durch die Lappen.

Wie hoch ist die Auszahlungsquote?

Wer noch alle Symbole auf der Walze hat, wählt natürlich den Anbieter aus, der den besten Willkommensbonus bietet. 100 Euro einzahlen, 100 Euro geschenkt. Passionierte Fußballschauer*innen kennen die solidarischen Angebote der Wettanbieter. Auch Onlinecasinos bieten en masse Freispiele oder Gratisgeld bei Einzahlung. Die Einzahlung und Registrierung ist so einfach, das kann auch der neunjährige Neffe übernehmen. Viele Spieler*innen haben nicht nur einen Account. Wer gleichzeitig bei mehreren Anbietern zockt, verdient auch mehr. Logisch.

Bei der Wahl des Anbieters sollte man auf die Auszahlungsquote achten. Die gibt an, welchen Anteil ein Buchmacher von den Wetteinsätzen an die Kunden zurückzahlt. Wenn ein Buchmacher ein erfolgreiches Geschäftsmodell haben möchte, muss die Auszahlungsquote im Durchschnitt grundsätzlich unter 100 Prozent liegen. Von 100 investierten Euro zahlen die Buchmacher zwischen 97 und 90 Euro aus. Klingt nach einem Verlustgeschäft für die Spieler*innen? Ach was, man muss nur hoch genug gewinnen.

Sucht – was nun?

Wer von „Spielsucht“ spricht, ist meistens neidisch. Neidisch auf das erfüllte Leben, die hohen Gewinne und den Spaß. Wen trotzdem ein kurzes Gefühl der Unvernunft überkommt, der kann sich auf den Glücksspielseiten temporär oder lebenslang sperren lassen. Aber warum sollte das passieren? Man lässt sich ja auch nicht beim Arbeitgeber sperren, nur weil eine Gehaltserhöhung winkt.

Die taz-Casino-Redaktion rät: Zeit und Energie lieber in das Spiel investieren, um noch reicher zu werden. Allseits bekannt: Geld macht überaus glücklich. Und wer stellt sich schon gerne seinem Glück in den Weg? Sollte doch der Fall eintreten und man ist auf einer oder mehreren Seiten gesperrt, nicht verzagen! Einfach einen neuen Account auf einer der unzähligen Plattformen erstellen und weiter viele Euros einsacken.

Was ändert sich?

Das wird mit der Gesetzesreform aber schwieriger. Einzahlungen werden limitiert: Die Bürger*innen dürfen ab Juli 2021 nur noch 1.000 Euro vom Sparbuch, Girokonto oder von der PaypalAppleGoogleLidlPayback-Card pro Monat investieren. Außerdem sollen sie nach chinesischem Vorbild zentral registriert werden, um zu ermitteln, welche*r Spieler*in suchtgefährdet ist. Eine Sperrdatei wird eingerichtet. Dort können sich Spieler*innen selbst sperren lassen oder bei zu hoher Einzahlung von den Anbietern gesperrt werden.

Wer profitiert vom Online-Zocken?

Ganz klar: Alle. Die Anbieter verdienen gutes Geld. Vor allem weil die vielen schlechten Spieler nichts bis wenig gewinnen. Die ganzen guten Spieler*innen werden reich, vorausgesetzt, sie halten sich an unsere Tipps. Auch der Staat sahnt gut ab. Fast 14 Milliarden Euro Spielerträge jährlich, fast 3 Milliarden davon auf dem (noch) illegalen Markt. Steuereinnahmen, die sich der Staat wahrlich nicht entgehen lassen kann.

Auch Sportveranstaltungen, Sportvereine oder Fernsehsender bekommen ein Stück vom Kuchen ab. Schon jetzt läuft auf vielen Sendern Werbung für Onlinecasinos oder Sportwetten rauf und runter. Häufig mit dem Hinweis: Nur für Spieler aus Schleswig-Holstein. Das in diesem Bereich fortschrittliche Bundesland vergibt schon länger Lizenzen an Anbieter von Onlinecasinos. Von Schleswig-Holstein lernen, heißt eben siegen lernen. Die innerdeutsche Diskriminierung hat zum Glück bald ein Ende. Dann dürfen sich auch Spieler anderer Bundesländer von der Werbung angesprochen fühlen und ganz legal reich werden – endlich.

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