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Ölpreisschock in DeutschlandEnergie verteuert sich im März um 7,2 Prozent

Der Iran-Krieg treibt schon jetzt die Inflation. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch die Zinsen steigen. Würgt das die aufkeimende Konjunktur ab?

Der Iran-Krieg treibt die Inflation nach oben, die Preise steigen nicht nur bei Gas, Öl und Benzin Foto: Jennifer Brückner/dpa

Jetzt ist es amtlich: Die Inflationsrate in Deutschland ist im März wegen der Folgen des Iran-Kriegs kräftig gestiegen. Ähnlich wird es in der gesamten Euro-Zone aussehen. Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte deshalb die Leitzinsen erhöhen. Höhere Preise und höhere Zinsen sind keine guten Aussichten für die deutsche Wirtschaft, die gerade angefangen hatte, sich zu erholen. Und es könnte noch schlimmer kommen.

Die Preise stiegen im Schnitt um 2,7 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Montag auf Basis vorläufiger Zahlen berichtete. Energie verteuerte sich demnach im Schnitt um 7,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im Februar hatte die Inflationsrate noch 1,9 Prozent betragen. Die Bundesbank rechnete zuletzt mit bis zu 3 Prozent Inflation.

Auch für die Euro-Zone wird ein deutliches Plus bei der Teuerung erwartet. Diese Zahl ist wichtig, weil sie für die EZB die Basis bildet, auf der über die Leitzinsen entschieden wird.

Israel und die USA hatten am 28. Februar Iran angegriffen. Was wohl als schneller Militäreinsatz der beiden Verbündeten gedacht war, dehnt sich inzwischen. Iran jedenfalls blockiert seither die Straße von Hormus, eine wichtige Meerenge im Golf von Persien. Die Anrainerstaaten Bahrain, Irak, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien, Qatar und die Vereinigten Arabischen Emirate sind wie Iran wichtige Öl- und Gaslieferanten. Durch die Meerenge wird nicht nur rund ein Fünftel allen Öls weltweit transportiert, sondern auch 75 Prozent der Gase, die Grundstoff für Waschmittel und Dünger sind.

Kaskade von Preiserhöhungen

Im Zuge des Krieges ist vor allem der Preis der Ölsorte Brent von gut 72 US-Dollar Ende Februar auf zeitweise weit über 100 Dollar je Fass gestiegen. Weil Öl zum Weltmarktpreis gehandelt wird, müssen auch Länder, die kaum etwas aus dem Nahen Osten beziehen, die höheren Preise bezahlen. Auch Frachtraten für Schiffe verteuerten sich.

Dass vor allem Energie teurer wird, trifft die deutsche Wirtschaft besonders, die ohnehin schon mehr bezahlt als andere Industriestaaten. Zusätzlich ist Gas ein wichtiger Rohstoff für die chemische Industrie – eine der großen deutschen Branchen. Die Unternehmen werden versuchen, höhere Kosten an die Kunden weiterzugeben und die Preise anzuheben. Das legt eine Umfrage des Münchener Ifo-Instituts von vergangener Woche nahe. Das bedeutet: Auch Waren und Dienstleistungen für den Verbraucher werden in den nächsten Wochen und Monaten teurer, zum Beispiel Obst oder andere Lebensmittel.

EZB in Wartestellung

Wenn die Inflationsrate steigt, wird auch die EZB eingreifen. Sie hält einen Wert von um die 2 Prozent für wirtschaftlich richtig. 2025 war die Inflationsrate gefallen, die EZB hatte den wichtigsten Zins auf 2 Prozent halbiert. Damit ist es jetzt wohl vorbei. Experten der Deutschen Bank rechnen mit mindestens zwei Zinserhöhungen noch in diesem Jahr. Höhere Zinsen bedeuten, dass es teurer wird, an Geld zu kommen. Das wiederum bremst Investitionen, die Unternehmen zum Teil per Kredit finanzieren.

Dass alles noch schlimmer kommen könnte, deutete EZB-Chefin Christine Lagarde in einem Interview mit dem britischen Magazin Economist an. Der Ölschock sei wahrscheinlich größer, als wir uns gerade vorstellen könnten, sagte die oberste Währungshüterin. Die Finanzmärkte seien vielleicht etwas zu optimistisch, dass alles wieder normal werde, wenn der Krieg ende. Technikexperten sagten dagegen anderes: Zu viele Anlagen seien inzwischen zerstört worden. Sie können nicht in Monaten wiederhergestellt werden. Manche sprechen von Jahren. So hat Iran in Katar die größte Anlage der Welt für Flüssiggas beschossen und Ölanlagen in Saudi-Arabien und Kuwait. Israel wiederum zerstört Ölinfrastruktur in Iran.

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