Ökologie: Der wiederbelebte See

Der Eichbaumsee in den Vier- und Marschlanden soll nächsten Sommer nach sechs Jahren Badeverbot wieder freigegeben werden. Rettung kostet 1,7 Millionen Euro.

Könnte sich ab Mai 2014 ändern: Seit sechs Jahren herrscht Badeverbot für den Eichbaumsee. Bild: dpa

HAMBURG taz | Hamburgs größter und beliebtester Badesee ist auf dem Wege der Genesung. Zur Badesaison 2014 könnte der Eichbaumsee in den Vier- und Marschlanden nach sechs Jahren Badeverbot wieder zum Planschen freigegeben werden. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Helmut Hoffmann, Leiter des Fachamtes für Verbraucherschutz und Umwelt im Bezirksamt Bergedorf. „Mit etwas Glück ist der See ab Mai nächsten Jahres wieder sauber“, sagt Volker Dumann, Sprecher der Umweltbehörde.

Der See zwischen der Autobahn A 25 und der Regattastrecke auf der Dove Elbe ist in Fachkreisen berüchtigt für seine regelmäßigen Blaualgen-Epidemien. Blaualgen gehören zu den Cyanobakterien und produzieren Stoffe, die Fische und Plankton schädigen können. Einige können auch für Menschen gesundheitsgefährdend sein. Nach dem Absterben werden die Cyanobakterien mikrobiell abgebaut, wodurch die Sauerstoffkonzentration im Gewässer stark verringert werden kann. Die Folge kann Fischsterben sein.

Ein wesentlicher Faktor für das starke Algenwachstum war „der Badedruck“, sagt Hoffmann. Der etwa einen Kilometer lange und rund 300 Meter breite Eichbaumsee ist förmlich an seiner Beliebtheit erstickt. Mehr als 1.000 Menschen tummelten sich dort werktags im Sommer, an schönen Wochenenden noch deutlich mehr – mehrere zigtausend Badegäste waren es pro Saison. Jeder Badende bringt aber etwa 100 Milligramm Phosphor ins Wasser ein. Während einer gewöhnlichen Badesaison wurde der Eichbaumsee also mit etlichen Kilo Phosphor angereichert – für die Blaualgen eine echte Wohltat.

Die zweite Ursache ist eine geologische Besonderheit des Mitte der 1970er-Jahre entstandenen Baggersees. Beim Sandabbau für die A 25 trafen die Bagger in rund 16 Metern Tiefe auf Sedimente aus der Eiszeit, zum Teil mit Resten uralter Wälder. Dort sind hohe Konzentrationen an unterschiedlichen Gasen und anderen Stoffen gebunden – darunter auch in großen Mengen Phosphor. Der löste sich im warmen Wasser und führte vor allem im Sommer immer wieder zu Blaualgenseuchen.

Mindestens 1,2 Millionen Euro hatte die Stadt in den ersten Jahren investiert, um den See zu retten. Zwei Anlagen zur Tiefenwasserbelüftung auf dem Grund reicherten das Wasser mit Sauerstoff an – zunächst mit Erfolg. Wegen mehrerer heißer Sommer in Serie verschlechterte sich der Zustand jedoch wieder. 2009 und 2012 kam es deshalb zu großen Fischsterben.

Um die Belastung mit Nährstoffen und speziell Phosphor zu senken, wird seit 2010 zusätzlich das natürliche Phosphorbindemittel Bentophos eingesetzt. Auch aktuell wird dieser Stoff aus Booten auf dem See verstreut, 90 Tonnen Bentophos wurden bislang eingesetzt. Dadurch wurden die Nährstoffe so verringert, dass sich weniger Algen entwickeln und das Wasser klarer wird. Wurde vor drei Jahren noch etwa eine Tonne Phosphor im Seewasser errechnet, ist es jetzt weniger als ein Drittel. „Wir haben jetzt eine Sichttiefe von zwei Metern“, freut sich Hoffmann: „Das ist ein sehr guter Effekt.“

Weitere 500.000 Euro kosten diese Wiederbelebungsmaßnahmen, rund 1,7 Millionen Euro insgesamt hat die Stadt bereits in die Rettung des Eichbaumsees investiert. Die Umweltbehörde werde das Monitoring „wohl noch ein, zwei Jahre fortsetzen“, sagt Dumann, „eventuell streuen wir weiter noch kleine Mengen Bentophos“. Ob der See im nächsten Sommer wieder zum Badeparadies wird, soll im Mai entschieden werden, sagt Dumann: „Aber es sieht gut aus.“

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