Öffnung der Dove-Elbe umstritten: Kampf um den Tidenhub

Ob die Öffnung der Dove-Elbe sinnvoll ist, darum herrscht Streit unter Naturschützer*innen. Gegen die Öffnung gab es am Samstag einem Boots-Konvoi.

dicht aneinander gedrängte Motorboote in einer Schleuse

Der Protest-Konvoi passiert die Schleuse, wo die Dove-Elbe an die Tide angeschlossen werden soll Foto: Andrea Kueppers

HAMBURG taz | Der Protest kam zu Wasser. Knapp hundert Boote haben am Samstag in einem Konvoi Kurs auf die Landungsbrücken genommen, um gegen die Öffnung der Dove-Elbe zu protestieren. Mit einer Schiffsparade auf der Elbe schlossen die Skipper*innen der Bürgerinitiative „Rettet die Dove-Elbe“ am frühen Nachmittag ihre Aktion ab.

Grund für den Boots-Konvoi: Der Elb-Seitenarm soll zu großen Teilen an der Tatenberger Schleuse über ein breites Sperrwerk wieder an die Norderelbe angeschlossen und somit Ebbe und Flut ausgesetzt werden. Seit 1952 ist die Dove-Elbe vom Hauptstrom und damit vom Tidenhub – dem Auf und Ab der Gezeiten – abgeschnitten.

In den Plänen sieht die Initiative „Rettet die Dove-Elbe“, die über 13.000 Unterschriften gegen die Öffnung gesammelt hat, zahlreiche Risiken. Gezeitenunterschiede von dann mehr als zwei Metern würden dazu führen, dass weite Abschnitte des Flussarms zweimal täglich trockenfallen und verschlicken würden. Die zunehmende Strömungsgeschwindigkeit würde Stahlbauwerke mitten in der Dove-Elbe als Strömungslenker erfordern, neue Spundwände müssten errichtet werden, um die Uferböschungen abzustützen.

Flora und Fauna würden so bedroht, ein beliebtes Naherholungs- und Wassersport­areal zerstört und auch die angrenzenden Obst- und Gemüseanbaugebiete gefährdet. Denn durch die Öffnung der Dove-Elbe für Ebbe und Flut würden sich hier mehr schadstoffbelastete Hafensedimente ablagern, die das Grundwasser belasten.

Die Flut läuft immer höher auf

Auch die Standsicherheit von flussnahen Gebäuden und die Existenz zahlreicher maritimer Betriebe, die sich an der 18 Kilometer langen Dove-Elbe angesiedelt haben, sei gefährdet. Die Dove-Elbe ist eines der größten Wassersportfreizeitgebiete Hamburgs, Olympia-Trainingsgebiet samt Regattastrecke und beliebtes Angler-Revier – damit könnte es nach ihrer Öffnung vorbei sein.

Im Bezirk Bergedorf unterstützen auch die meisten Bezirkspolitiker*innen die Initiative. Doch es sind gerade renommierte Naturschützer*innen, die die Öffnung der Dove-Elbe vorantreiben – etwa der Verein „Rettet die Elbe“, der Naturschutzbund (Nabu) oder der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). Sie wollen damit die Auswirkungen der Elbvertiefung bekämpfen.

Durch diese würden die negativen Folgen von Ebbe und Flut, die von der Nordsee hinein in die Elbe drückt, immer stärker. Die Flut laufe in der Elbe immer höher auf, immer mehr Sedimente lagerten sich im Hafengebiet ab, der – genau wie die Elbeseitenarme – verschlicke. All diese Negativ­effekte könnten gemildert werden, wenn die Dove-Elbe wieder an die Nor­derelbe und damit an Ebbe und Flut angeschlossen würde.

Das Forum Tideelbe, ein Zusammenschluss aus Politik, Wirtschaft und Verbänden – darunter auch vielen aus dem Bereich Umwelt – sowie der Elbanrainerländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen sympathisiert mit der Öffnung der Dove-Elbe und hat bereits eine Machbarkeitsstudie erarbeiten lassen, die Ende September, Anfang Oktober der Öffentlichkeit präsentiert werden soll.

Aus ökologischer Sicht werde die Öffnung des Elbarms „in Bezug auf den Sauerstoffhaushalt, die Anbindung von Flachwasserzonen und der Entwicklungsmöglichkeiten für das Tideröhricht in der Tideelbe bisher positiv bewertet“, heißt es in einer Erklärung des Forums.

Die Dove-Elbe ist eines der größten Wassersportgebiete Hamburgs, Olympia-Trainingsgebiet samt Regattastrecke

Jennifer Jasberg (Grüne) sieht das Problem bei dem Forum in guten Händen: „Ich begrüße den intensiven Dialog dort und bin sicher, dass wir auf dieser Grundlage zu guten Lösungen kommen“, erklärte die Bürgerschaftsabgeordnete am Samstag.

Doch neben dem Dialog wird es weitere Protestaktionen der Öffnungsgegner geben. „Wir werden die 13.000 Protestunterschriften öffentlichkeitswirksam übergeben und planen noch ein Konzert auf der Elbe“, kündigt Initiativensprecherin Katrin Piepiorka an. Denn die geplante Öffnung der Dove-Elbe sei nur „eine Alibimaßnahme, die die Elbe nicht rettet“. Das könne nur der Verzicht auf weitere Elbvertiefungen.

Klaus Baumgardt von „Rettet die Elbe“ findet diese Argumentation allerdings scheinheilig: „Die, die sich heute gegen die Öffnung der Dove-Elbe wehren, habe ich bei den Aktionen und Klagen gegen die Elbvertiefung nie gesehen – sie protestieren nicht gegen die Gründe der Elbverschlickung, sondern gegen die Lösung des Problems.“

Einmal zahlen
.

Fehler im Text entdeckt? Wir freuen uns über einen Hinweis!

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de