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Oberster US-Terrorbekämpfer tritt zurückEnge Kontakte zu Rechtsextremisten und Antisemiten

Joseph Kent gibt seinen Posten als Anti-Terror-Chef der USA wegen des Irankriegs auf. Er war wegen seiner Nähe zu Rechtsextremisten in der Kritik.

Aus Protest zurückgetreten: Joseph Kent, Direktor des National Counterterrorism Center Foto: Rod Lamkey, Jr/ap

Es war schon eine politische Bombe, die der oberste Anti-Terror-Beauftragte der Trump-Regierung am Dienstag zündete. Joseph Kent erklärte seinen Rücktritt mit der Begründung, er könne den Irankrieg einfach nicht mittragen. „Iran stellte keine unmittelbare Bedrohung für unsere Nation dar, und es ist klar, dass wir diesen Krieg aufgrund des Drucks von Israel und seiner mächtigen amerikanischen Lobby begonnen haben“, schrieb Kent in seinem auf X veröffentlichten Rücktrittsbrief.

In den Augen vieler Kri­ti­ke­r*in­nen hätte Kent allerdings den Job als oberster Terror-Bekämpfer gar nicht erst bekommen dürfen. Der 45-jährige Republikaner, der 2022 und 2024 im Bundesstaat Washington als radikaler Trump-Anhänger erfolglos für das US-Repräsentantenhaus kandidierte, hatte sich durch enge Beziehungen zu militanten Rechtsextremisten ausgezeichnet, von den Proud Boys bis hin zu den sogenannten Washington State Three Percenters, einer rechtsextremistischen Miliz. In einem offenen Gespräch diskutierte er mit dem bekannten Nazi-Verehrer, Antisemiten und Holocaust-Leugner Nick Fuentes Strategien der Social-Media-Arbeit.

Während seiner Kandidaturen in Washington State listete die Anti-Defamation League Kent als einen von Dutzenden klar rechtsextremistischen Kandidaten, die in der von Trump umgeformten Republikanischen Partei plötzlich an politischem Gewicht gewonnen hatten.

Watchdog-Organisationen wie das Southern Poverty Law Center protestierten 2025 gegen seine Nominierung für den Posten des Obersten Terror-Bekämpfers. In einem offenen Brief an den republikanischen Senatschef John Thune beschrieben sie Kents Verbindungen zu weißen Nationalisten, gewalttätigen Gruppierungen und antidemokratischen Strömungen, auch im Zusammenhang mit dem Sturm aufs Kapitol im Januar 2021.

Erst Militär dann Politik

Kent bezeichnete, wie Trump, die wegen dieses Angriffs verurteilten Personen als „politische Gefangene“. Er sei keinesfalls dafür qualifiziert, die USA vor terroristischen Angriffen zu schützen, hieß es in dem Brief. Im Gegenteil berge seine Nominierung die Gefahr, dass rechtsextremem Terrorismus alle Türen geöffnet würden.

Seiner politischen Karriere vorausgegangen war eine im Militär, mit elf Kampfeinsätzen vorrangig im Irak, später dann bei der CIA. Im Irak hatte er seine spätere Frau kennengelernt. Als sie 2019 in Syrien bei einem Selbstmordattentat getötet wurde, begann Kent, politisch aktiv zu werden.

Kent ist eng mit Tucker Carlson befreundet. Der ehemalige Fox-News-Moderator ist derzeit die lauteste Stimme aus Trumps MAGA-Bewegung gegen den Irankrieg – und wie Kent mischt auch Carlson isolationistische Töne mit antisemitischen Verschwörungstheorien über die Juden, die letztlich alles kontrollierten.

In seiner Reaktion auf Kents Rücktritt geht US-Präsident Trump auf all das nicht ein. Er habe Kent gern gemocht, sagte Trump, aber der sei in puncto Sicherheit einfach „sehr schwach“ gewesen.

Viele Medien sehen Kents Rücktritt als Zeichen dafür, dass der Irankrieg immer tiefere Risse in Trumps MAGA-Bewegung treibt. Auch Kents nunmehr ehemalige Chefin, Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard, gilt als Gegnerin des Irankriegs. Die große Mehrheit von Trumps Anhängern steht allerdings bislang laut Umfragen hinter dem Präsidenten – 81 Prozent der Republikaner-Wähler*innen, laut einer jüngsten Yougov-Umfrage.

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1 Kommentar

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  • Der ewige Verlierer ist gegangen. Gut so.



    Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, wenn ein Mann, der Beziehungen zu militanten Rechtsextremisten pflegt, mit dem Amt des Direktors des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung betraut wird - einer Institution, die eigentlich Extremismus bekämpfen soll.