Nordmazedoniens Reform-Regierungschef: Vorerst gescheitert

Zoran Zaev befriedete den Konflikt mit Griechenland und schwenkte auf EU-Kurs. Doch er hatte in den Nachbarländern zu viele Gegner.

Zoran zaev

Zoran Zaev spricht bei der Verleihung des Westfälischen Friedenspreises Foto: Lino Mirgeler/dpa

Man kann wohl mit Fug und Recht sagen, da ist am Sonntag jemand zurückgetreten, der alles versucht hat, sein Land Mazedonien zu modernisieren, zu demokratisieren und zu reformieren. Der Sozialdemokrat Zoran Zaev ist einer der wenigen Balkanpolitiker, der sein Land ernsthaft auf den Kurs der Integration in die Europäische Union geleitet hat. Aber es kam zu wenig an Unterstützung zurück.

Was hatte er alles für Hindernisse zu überwinden: Es gelang ihm nicht nur, die korrupte, rechtsgestrickte und populistische Regierung von ­Nikola Gruevski durch eine Volksbewegung abzusetzen und, unterstützt von zwei Parteien der albanischen Minderheit, im Mai 2017 zum Ministerpräsidenten seines Landes gewählt zu werden. Es gelang ihm sogar, das Veto aus Griechenland gegen die Aufnahme seines Landes in die EU zu überwinden. Die Griechen hatten eine Namensänderung seines Landes verlangt, die er innenpolitisch mit einer Volksabstimmung durchboxte.

Dass die beiden linken Regierungschefs Alexis Tsipras und Zoran Zaev im Februar 2019 den Vertrag unterzeichneten, der Mazedonien in Nordmazedonien umtaufte, war sensationell. Beide wurden mit Ehrungen überschüttet. Der Weg nach Europa schien frei zu sein. Nordmazedonien hatte unter Zaevs Führung alle strengen Voraussetzungen der EU, so auch bei der wichtigen Justizreform, erfüllt.

Doch jetzt stellte sich Bulgarien quer und forderte von Nordmazedonien nichts weniger als zu erklären, dass die Nord­mazedonen eigentlich Bulgaren seien. Mit Argumenten aus dem 19. Jahrhundert wurde Nordmazedonien wiederum der Weg in die EU verbaut.

Das war ein schwerer Schlag. Dass sich auch Frankreich und einige andere Staaten der EU querstellten, war eine weitere Enttäuschung. Zaev konnte nicht liefern, seine Popularität bröckelte. Sein Vorgänger Gruevski versuchte zudem, mit erheblichen Geldmitteln und mit Unterstützung Ungarns den Kommunalwahlkampf zu beeinflussen. Die Sozialdemokraten verloren die Wahlen, Zaev trat zurück. Doch wer ihn kennt, weiß, dass er weiterkämpfen wird.

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Geboren 1947 in Bad Berneck im Fichtelgebirge, ist taz-Korrespondent in Südosteuropa, wohnt in Sarajevo und in Split. Nach dem durch politische Aktivitäten in der Spontiszene garnierten Studium der Geschichte und Politik in München und Berlin, nach Absolvierung des I. und II. Staatsexamens und Forschungaufenthalten in Lateinamerika kam er 1983 als West- und Osteuroparedakteur zur taz. Ab 1991 als Kriegsreporter im ehemaligen Jugoslawien tätig, versucht er heute als Korrespondent, Publizist und Filmemacher zur Verständigung der Menschen in diesem Raum beizutragen. Letzte Bücher: Kosovo- die Geschichte eines Konflikts, Berlin 2010, Bosnien im Fokus, Berlin 2010, Schnittpunkt Sarajevo, Berlin 2006.

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