Nordkoreas Kehrtwende gegen den Süden: Koreanischer Tango

Pjöngjang braucht Südkorea als Feindbild. Das gilt umgekehrt auch für konservative Kreise im Süden.

Menschen mit Masken recken die Fäuste

Alles nur gestellt? Arbeiter demonstrieren gegen Südkorea Foto: KCNA/reuters

Ein Schritt vor, ein Schritt zurück, manchmal sogar zwei vor und früher oder später wieder zwei zurück: Nach diesem Muster bewegt sich der Konflikt mit Nordkoreas Regime seit Jahren und damit letztlich auf der Stelle. Jetzt geht es mit Pjöngjangs Kappung der Kommunikationskanäle zur Regierung des Südens gerade wieder rückwärts. Als Vorwand dienen Propagandaballons mit Anti-Regime-Botschaften, die nach Süden geflohene Nordkoreaner und lokale Rechte, die von einem vereinigten Korea unter konservativer Führung träumen, in den Norden senden.

Für das Regime Kims sind die Propagandabotschaften aus dem Süden sicher lästig, kratzen sie doch an dessen Informationsmonopol. Doch sind sie eben auch ein willkommener Vorwand. Denn Nordkoreas Regime kann keine wirkliche Entspannung gebrauchen, weil es damit seine Existenz riskieren würde. Pjöngjang wird sich wohl auch nicht seine behaupteten Atomwaffen abhandeln lassen, weil es darin seine wichtigsten Regimegaranten sieht.

Das Regime braucht Südkorea und die USA als klare Feindbilder, mit deren wirklichen wie unterstellten Aggressionen es die Menschen in seinem Sinne manipulieren, einschüchtern, mobilisieren und beherrschen kann. Damit lässt sich auch gut von der eigenen wirtschaftlichen Misere ablenken, an der dann natürlich nur der Süden schuld ist. Abgeschwächt gilt dies umgekehrt auch für konservative Kreise im Süden. Auch sie rechtfertigen ihre autoritäre, antidemokratische Politik stets mit Verweis auf den gefährlichen Norden.

Hinzu kommt das geostrategische Problem der koreanischen Halbinsel: Nordkorea dient als Pufferstaat zwischen dem chinesischen und dem amerikanischen Einflussbereich. Deshalb würde keine Seite einer Grenzverschiebung – in Form einer Wiedervereinigung – freiwillig zustimmen. Solange diese Interessenskonstellation fortbesteht, dürfte sich am Wechsel von entspannenden und konfliktverschärfenden Schritten nichts ändern, sofern keine Seite einen großen Fehler macht oder durch ein Missverständnis der Konflikt außer Kontrolle gerät.

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Asienredakteur der taz seit 1997, vorher freier Journalist. Studierte Politologie sowie Communication for Development in Berlin und Malmö. Versucht asiatisch-europäische Begegnungen zu ermöglichen durch taz-Reisen in die Zivilgesellschaft, Workshops mit asiatischen JournalistInnen und Diskussionsverantaltungen in der taz-Kantine (Han Sens ASIENTALK). Schreibt manchmal auch über Segeln. www.fb.com/HanSensAsientalk @HanSensAsientalk

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