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Nordkoreas Kehrtwende gegen den Süden Koreanischer Tango

Sven Hansen

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Sven Hansen

Pjöngjang braucht Südkorea als Feindbild. Das gilt umgekehrt auch für konservative Kreise im Süden.

E in Schritt vor, ein Schritt zurück, manchmal sogar zwei vor und früher oder später wieder zwei zurück: Nach diesem Muster bewegt sich der Konflikt mit Nordkoreas Regime seit Jahren und damit letztlich auf der Stelle. Jetzt geht es mit Pjöngjangs Kappung der Kommunikationskanäle zur Regierung des Südens gerade wieder rückwärts. Als Vorwand dienen Propagandaballons mit Anti-Regime-Botschaften, die nach Süden geflohene Nordkoreaner und lokale Rechte, die von einem vereinigten Korea unter konservativer Führung träumen, in den Norden senden.

Für das Regime Kims sind die Propagandabotschaften aus dem Süden sicher lästig, kratzen sie doch an dessen Informationsmonopol. Doch sind sie eben auch ein willkommener Vorwand. Denn Nordkoreas Regime kann keine wirkliche Entspannung gebrauchen, weil es damit seine Existenz riskieren würde. Pjöngjang wird sich wohl auch nicht seine behaupteten Atomwaffen abhandeln lassen, weil es darin seine wichtigsten Regimegaranten sieht.

Das Regime braucht Südkorea und die USA als klare Feindbilder, mit deren wirklichen wie unterstellten Aggressionen es die Menschen in seinem Sinne manipulieren, einschüchtern, mobilisieren und beherrschen kann. Damit lässt sich auch gut von der eigenen wirtschaftlichen Misere ablenken, an der dann natürlich nur der Süden schuld ist. Abgeschwächt gilt dies umgekehrt auch für konservative Kreise im Süden. Auch sie rechtfertigen ihre autoritäre, antidemokratische Politik stets mit Verweis auf den gefährlichen Norden.

Hinzu kommt das geostrategische Problem der koreanischen Halbinsel: Nordkorea dient als Pufferstaat zwischen dem chinesischen und dem amerikanischen Einflussbereich. Deshalb würde keine Seite einer Grenzverschiebung – in Form einer Wiedervereinigung – freiwillig zustimmen. Solange diese Interessenskonstellation fortbesteht, dürfte sich am Wechsel von entspannenden und konfliktverschärfenden Schritten nichts ändern, sofern keine Seite einen großen Fehler macht oder durch ein Missverständnis der Konflikt außer Kontrolle gerät.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Sven Hansen

Sven Hansen Auslandsredakteur (Asien)

Asienredakteur seit 1997, studierte Politologie in Berlin und Communication for Development in Malmö. Organisiert taz-Reisen in die Zivilgesellschaft, Workshops mit JournalistInnen aus Südostasien und Han Sens ASIENTALK. Herausgeber der Editionen Le Monde diplomatique zu Südostasien (2023), China (2018, 2007), Afghanistan (2015) und Indien (2010). Schreibt manchmal auch über Segeln. www.fb.com/HanSensAsientalk @SHansenBerlin
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