Neues Magazin "Chatter": Ekel für 50 Cent
Burda sinkt mit einer neuen Klatschzeitschrift tief. Hier sind die Geschichten nicht einmal erpresst, sondern schlicht ausgedacht.
Ich habe keine Berührungsängste vor minderwertigen bis fragwürdigen Printprodukten. Ich lese Bild, ich kaufe mal eine Gala und gelegentlich auch Glamour und, ja, auch InTouch habe ich schon mal gelesen. Ich dachte, ich sei abgehärtet. Doch gestern habe ich mich zum ersten Mal am Zeitungskiosk geschämt.
Allein der Name! "Eine Chatter, bitte." Das neue Starstyleklatschmagazin, das der Burda-Verlag nun jeden Mittwoch auf billigem Zeitungspapier im Tabloid für 50 Cent feilbietet, ist so ziemlich das Unterirdischste, was man am Kiosk bekommt: wenig Text, große Fotos - und inhaltlich nichts als Trash. Mit Schwabbelbäuchen, Schönheitsflecken, Medikamentenabhängigkeit, Seelenqual und Psychoterror entzaubert Chatter unter dem Slogan "Alles, was Stars über sich nicht lesen wollen" die Prominenz. In der Aufmachergeschichte wird Angelina Jolie bezichtigt, ein Leben aus Lügen zu führen. Der Beweis dafür: Rivalin Jennifer Aniston könnte vielleicht gesagt haben, dass … Hier sind die Geschichten nicht einmal erpresst, sondern schlicht ausgedacht. Innen dann "Beach-Schocker" und Stars "Unzensiert" - gemein fotografierte Promis und ihre Schönheitsfehler. An so etwas soll sich die Zielgruppe, Frauen zwischen 18 und 50, also weiden.
Im Inlay "Star Style Weekly" gibt es die 180-Grad-Drehung: hochwertigeres Papier, die Stars schön retuschiert und dazu ihre besten Bikinitricks. Zudem Schnäppchenmode und schamlose Werbung. Unter der Rubrik "Neu in den Läden", dürfen H&M und S. Oliver zeigen, was es bei ihnen Frisches gibt. Chatter soll vor allem den Heftchen von OK über In bis Life&Style Konkurrenz machen, die alle mindestens 1,30 Euro teurer sind. Mal sehen, bei wie vielen Leserinnen die Schamgrenze am Kiosk auf 50 Cent sinkt.
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