Neuer Oberbürgermeister von Stuttgart: Der Sowohl-als-auch-Mann

Mit Frank Nopper kommt in Stuttgart wieder ein CDUler an die Macht. Ein Verwaltungsmensch, der es allen recht machen möchte

Portrait von Frank Nopper

Der neue Oberbürgermeister von Stuttgart: Frank Nopper von der CDU Foto: Tom Weller/dpa

Stuttgart solle nicht länger unter seinen Möglichkeiten bleiben, sagte Frank Nopper noch am Wahlabend bei der Bekanntgabe seines Sieges. Es solle wieder leuchten. Das klang immer noch nach Wahlkampf-Prosa und ein bisschen unfreundlich gegenüber seinem grünen Vorgänger, der nicht mehr angetreten war. Vor allem nachdem Fritz Kuhn dem CDU-Mann in seiner Rede kurz davor alle Unterstützung für den Übergang angeboten hatte.

Aber eigentlich ist es nicht die Art des neuen Stuttgarter Oberbürgermeisters, unnötig zu polarisieren. Um seinen unverhofften Wahlerfolg nicht zu gefährden, hat der 59-Jährige in den letzten Wochen vor der zweiten Wahl versucht, mit ökologischen Themen auch grüne Wählerinnen und Wähler anzusprechen.

Er ist der Mann des gepflegten Sowohl-als-auch. Er will den Verkehr in der gestressten Innenstadt reduzieren, aber nicht ganz verbannen, und beim Wohnungsbau ein „ganzes Bündel an Maßnahmen ergreifen“. Konkreter wird er nur, wenn es um Marketing geht. Mit einer Imagekampagne will er das Bild der feinstaubgeplagten Spätzle-Metropole aufpolieren.

Das hat offenbar gereicht, um gegen die zerstrittenen Kandidaten von Grünen, SPD und Sös („Stuttgart ökologisch sozial“) den Sieg davonzutragen. Mit dem Backnanger Oberbürgermeister Frank Nopper haben die Stuttgarter einen Politikertyp gewählt, den zumindest die Älteren noch von früher kennen. Einen bodenständigen CDU-Verwaltungsprofi mit gepflegtem Dia­lekt­an­klang, der sicherlich keine grundstürzenden Ideen im Kessel umsetzen will.

Sparkassenlehre und Jurapromotion

Nopper hat eine Biografie, mit der man in den 90er Jahren der Erwin-Teufel-CDU rasch aufsteigen konnte. Der gebürtige Stuttgarter macht eine Banklehre bei der Sparkasse und promovierte in Tübingen in Jura. Nach Jobs bei Verbänden und der Stuttgarter Messe wurde er 2002 zum Oberbürgermeister von Backnang, einer Kreisstadt mit knapp 40.000 Einwohnern im Stuttgarter Speckgürtel, gewählt. Dort hatten die Wähler zweimal mit mehr als 85 Prozent für ihn gestimmt.

Als gebürtiger Stuttgarter, dessen Vater hier lange im Gemeinderat saß, erfüllt sich Nopper mit dem Sieg auch einen ganz persönlichen Traum. Er kennt auch die politischen Konfliktlinien seiner Heimatstadt und ihre Akteure ziemlich gut.

Und so bezieht sich sein konkretestes Wahlversprechen auf Stuttgarts größten Zankapfel. Wenn der Bahnhof Stuttgart 21, der die Stadt bis heute spaltet, in vier Jahren, oder wann auch immer, eröffnet wird, will er die zerstrittene Bürgerschaft mit einem Fest versöhnen. Man wird sehen, ob das reicht.

Bis dahin muss er sich mit einem Gemeinderat arrangieren, in dem die CDU nur noch eine Minderheit stellt. Es wird also an den Räten von Grünen, SPD und Sös sein, innovative Impulse zu liefern und eine echte Verkehrswende und ökologischen und zugleich sozialverträglichen Wohnungsbau in der Stadt voranzutreiben. Denn am Ende hat auch der Oberbürgermeister Nopper im Rat nur eine Stimme.

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