Neuer Dortmund-„Tatort“: Abschied im serbischen Flammeninferno
„Ich war schon bei Belgrad draußen“, heißt es im neuen „Tatort“ aus Dortmund, der auch in Ex-Jugoslawien spielt. Was ein wenig zu viel gewollt ist.
Taucht ein toter Serbe im „Tatort“ auf, ist absehbar, dass mindestens zwei weitere tote Serben oder mindestens Jugos auftauchen. Im neuen „Tatort“ aus Dortmund wird gleich zu Beginn ein ermordeter Serbe in seinem Club in Dortmund gefunden. Kurz darauf ein erschossener Kosovare, dann ein weiterer getöteter Serbe und eine so gut wie tote Bosnierin.
Die Bosnierin heißt Maria, hat gesehen, wer die beiden Serben umgebracht hat und wird sowohl von Kriminalhauptkommissarin Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) als auch von ihrer Kollegin Ira Klasnić als glaubwürdige Zeugin betreut und beschützt.
Seit 2024 macht Ira Klasnić alias „Frau Dingenskirchen“ (Zitat: Peter Faber) als eiskalte und für ihre Karriere alles in Kauf nehmende LKA-Ermittlerin dem Duo Faber/Herzog das Leben schwer. In dieser „Tatort“-Folge soll sie aber offenbar in die Herzen der Zuschauer*innen geschrieben werden.
"Schmerz“, So., 20.15 Uhr, ARD
Ira Klasnić, so erfahren wir, hat den bosnischen Bürgerkrieg überlebt, aber ihre Mutter wurde von Serben verschleppt und getötet. Es stellt sich heraus, dass der tote serbische Clubbetreiber mit diesen Verbrechen zu tun hatte: Er wurde vom Kriegsverbrechertribunal in Den Haag wegen Verbrechen gegen die Menschheit gesucht, da er während des jugoslawischen Bürgerkriegs in den 1990er Jahren Lager organisiert haben soll, in denen Frauen systematisch gedemütigt, vergewaltigt und ermordet wurden. Zwei weitere Serben sind mit ihm angeklagt: Einer wird tot in seiner Wohnung gefunden, der andere lebt in Belgrad, soll aber grade in Dortmund sein.
Auch Maria bleibt blass
„Ich war schon bei Belgrad draußen“, kommentiert Rosa Herzog die Erläuterungen von Ira Klasnić, was sie über die Hintergründe der serbischen Verbrecher weiß. Klassiker, immer wenn ein Jugo vom Krieg erzählt, muss ein Deutscher sagen: Das ist mir zu kompliziert.
Leider ist es so, dass man als Zuschauerin tatsächlich raus ist, weil die serbischen Männer und bosnischen Frauen keine Charaktere sind, im Wesentlichen sind sie tot. Der eine darf am Ende noch einen Satz sagen, bevor er dann auch stirbt, und auch Maria bleibt blass. Auch ist die Zuschauerin raus, weil neben dieser ultraschemenhaft bleibenden Jugoslawienkrieg-Geschichte parallel auch noch der Ausstieg von Rosa Herzog aus dem „Tatort“ erzählt wird. Der allerdings wird das als eine Folge aus der letzten „Tatort“-Folge erzählt: Und wer die nicht grade erst gesehen hat, ist aufgeschmissen, da die zurückliegenden Ereignisse ebenfalls nur schemenhaft in Erinnerung gerufen werden.
Es geht in beiden Geschichten um Vertrauen und Verrat, um Rache, um gedemütigte Frauen, um versehrte Frauen. Doch dieser „Tatort“ wollte zu viel, deutet zu viel an und erzählt am Ende nichts wirklich. Unfreiwillig komisch: Auf den Wänden des Clubs, in dem der erste tote Serbe gefunden wird, wabert auf ganzer Fläche ein künstlich animiertes, riesiges Flammenmeer.
Dieser „Tatort“ fühlt sich dementsprechend an, als stünde man 90 Minuten in so einem Inferno, sei ihm hilflos ausgeliefert. Schade, es hätte ausgereicht, die Geschichte von Rosa Herzog zu erzählen, statt auch noch mit viel Jugoblei den Übergang zur mutmaßlich neuen Partnerin von Faber, Ira Klasnić, aufzutischen.
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