Neuer Chef des Umweltbundesamtes: Entscheidender Mann
Dirk Messner weiß, wie man Regierungen in Umweltfragen berät. Und wie die Wirtschaft umrüsten muss. Nun muss er sich Gehör verschaffen.
Er wird entscheidend für die Umweltpolitik der Zukunft: Dirk Messner, 57 Jahre. An diesem Mittwoch wird er als neuer Chef des Umweltbundesamtes, einer der wichtigsten Behörden Deutschlands, offiziell eingeführt. Vorgängerin Maria Krautzberger geht in Rente.
Messner wird damit einer der maßgeblichen Berater der Bundesregierung, wie Bauern ökologisch rentabel wirtschaften, Industriekonzerne ressourcenschonend produzieren, Bürger umweltfreundlich von A nach B kommen. Die Welt stehe vor „riesigen Umbrüchen“, sagt er.
Einfach wird es für ihn nicht. Zwar ergrünen – mit Ausnahme der AfD – alle Parteien. Doch Krautzberger, die fünf Jahre lang die Behörde geleitet hat, beklagte sich noch kurz vor ihrem Abschied darüber, wie wenig der Rat des Umweltbundesamts bei der Regierung ankomme.
Und Messner, ein großer, schlanker Mann, ist kein Krawallmacher. Der gebürtige Westfale besticht eher durch kluge Analyse. Er kommt aus der Wissenschaft, ist Professor für Politikwissenschaften, forscht seit Jahren zu Umwelt- und Entwicklungsfragen. Zuletzt war er an der Universität der Vereinten Nationen in Bonn Direktor des Institutes for Environment and Human Security.
China, EU, Weltbank
Als Chef des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik hat ihn zuvor mehr als 15 Jahre lang das Verhältnis des Nordens zum Süden beschäftigt. Und er weiß, was es heißt, Politiker zu beraten: Die chinesische Regierung, die Europäische Kommission, die Weltbank haben auf sein Wissen gesetzt.
2004 kam Messner in den Wissenschaftlichen Beirat Globale Umweltveränderungen der Bundesregierung, 2013 wurde er einer der beiden Vorsitzenden. Mit ihm forderte das hochrangige Gremium zum Beispiel, die Stadtentwicklung ernster zu nehmen. Messner meinte: „Das Wachstum der Städte ist so ungeheuer, dass es dringend in neue Bahnen geleitet werden muss.“ Später dann die Digitalisierung. Messner forderte, die Folgen der neuen Technologie für Klima und Umwelt in den Blick zu nehmen. Das Bundesumweltministerium baut nun eine Unterabteilung „Digitalisierung“ auf.
Messner denkt groß und: voraus. SPD-Bundesumweltministerin Svenja Schulze meinte, er sei der „richtige Mann zur richtigen Zeit“. Wie lässt sich das Steuersystem ökologisch geraderücken, die Mehrwertsteuer beispielsweise mit ihren wenig plausiblen Sätzen reformieren. Da könnte sich Messner mit seinen neuen Kollegen ranmachen.
Nicht ohne Knatsch
Ohne Knatsch wird das nicht gehen. Das Ministerium grätscht schon mal rein, wenn ein Studienergebnis, eine geplante Pressemitteilung nicht so in die politische Debatte zu passen scheint. Das Umweltbundesamt untersteht, auch wenn es wissenschaftlich unabhängig arbeitet, dem Bundesumweltministerium. Messner wird ausloten müssen, wie er sich und seiner Behörde am besten Gehör verschafft.
Er hat damit längst begonnen. Deutschland sei mal Vorreiter gewesen in der Umwelt- und Klimapolitik, sagte er. Inzwischen seien andere „deutlich progressiver“. Messner hat sich vorgenommen zu drängeln, er wird sich zu Wort melden – für die Zukunft.
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