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Neuer CSU-LandesgruppenchefNeuer Chef, bewährte Linie

Alexander Hoffmann führt erstmals als neuer Landesgruppenchef durch die Winterklausur in Seeon – innen gilt er als Stabilitätsfaktor der Koalition.

Alexander Hoffmann, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe in der Unionsfraktion, am 22.12.2025 Foto: Christoph Soeder/dpa

Am zweiten Tag ihrer Winterklausur meint es der Himmel nicht ganz so gut mit der CSU, statt weiß-blau steht er anfangs grau über Kloster Seeon in Oberbayern. Sonst aber kann sich Alexander Hoffmann, der Chef der Landesgruppe der CSU im Bundestag, über den bisherigen Verlauf nicht beklagen.

„Du hast die Erwartungen mehr als erfüllt“, attestiert ihm CSU-Chef Markus Söder zum Auftakt vollmundig – und nicht nur das: Der bayerische Ministerpräsident verzichtet auch auf jene Frotzeleien, die Hoffmanns Vorgänger Alexander Dobrindt hier stets über sich ergehen lassen musste. Das aber hat wohl viel mit Söders Versuch zu tun, sich als seriöser Staatsmann neu zu inszenieren.

Der 50-jährige Hoffmann ist seit vergangenem Mai Landesgruppenchef, die 44 CSU-Abgeordneten wählten ihn einstimmig. Damit ist der Jurist mit der Glatze und dem fein ausrasierten Kinnbart erster Stellvertreter von Fraktionschef Jens Spahn (CDU) und einer der wichtigsten Männer der CSU. Neben Söder und Innenminister Dobrindt ist er für die CSU im Koalitionsausschuss dabei.

Es ist Hoffmanns erste Winterklausur als Landesgruppenchef, mit der sich die CSU zu Jahresbeginn regelmäßig in Szene setzt und Schlagzeilen produziert. Das hat auch in diesem Jahr prächtig geklappt. Häppchenweise wurden schon vor Beginn Forderungen durchgestochen, die in Seeon beschlossen werden sollen, vom Wiedereinstieg in die Atomkraft bis zur Abschiebeoffensive nach Syrien und Afghanistan. Umsetzungschancen? Völlig egal. Seeon sei eben „CSU pur“, so nennt das Hoffmann.

Vertragstreue und Verlässlichkeit

In der Koalition dagegen hat Hoffmann sich den Ruf erarbeitet, eher ein Stabilitätsfaktor zu sein. Bei den Weißwurstfrühstücken, zu denen er in den Bundestagssitzungswochen die Presse einlädt, äußert er auffällig häufig Verständnis für die Sozialdemokraten und betont die Bedeutung von Vertragstreue und Verlässlichkeit. Vor der gescheiterten Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin warb Hoffmann noch für die Juristin, als unter den CDU-Abgeordneten der Widerstand bereits groß war. Beim Streit um das Rentenpaket gab es aus der CDU Gegenstimmen, aus der CSU nicht.

Inwieweit dies auf Hoffmanns Konto geht oder doch Dobrindt zu verdanken ist, der auch in der Fraktion weiter mitmischt, ist schwer zu sagen. Für Hoffmann aber dürfte eine erfolgreiche Winterklausur ein Schritt sein, aus Dobrindts Schatten herauszutreten. Ende August stellte er sich mit Spahn und SPD-Fraktionschef Matthias Miersch auf die alte Mainbrücke in Würzburg und strapazierte die Metapher des Brückenbaus. Aber das Treffen der Fraktionsspitzen von Union und SPD sorgte für eine Wiederannäherung der Partner nach dem Koalitionsstreit im Sommer.

Hoffmann trat erst mit 31 Jahren in die CSU ein. Mit Söder aber telefoniert er inzwischen angeblich fast täglich; seit 2013 sitzt der Innenpolitiker im Bundestag. Verheiratet ist er in zweiter Ehe mit einer Muslima mit türkischer Familiengeschichte, gemeinsam feiert man Weihnachten und das Zuckerfest. Fest steht Hoffmann, wie die CSU überhaupt, an der Seite Israels, die vorübergehenden Einschränkungen der Waffenlieferungen lehnte er ab. Bei der AfD ist er glasklar: Diese sei der „Erzfeind“, sagt er und legt damit rhetorisch noch ein Schüppchen drauf. „Erzfeinde muss ⁠man bekämpfen, weil sie einen zerstören wollen.“

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