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Neue Musik aus BerlinModulares Hören

Mit ihrer LP „Tet 41“ legt JakoJako ein Konzeptalbum vor: Per Modularsynthesizer sendet sie elektronische Schwebeklänge in Richtung Kosmische Musik.

I n der Sesamstraße gibt es einen Sketch mit Ernie und Bert, in dem Bert ein schönes Wort mit „L“ singen soll. Bert intoniert nach einigen fruchtlosen Versuchen dann „Linoleum“. Ob man die Berufsbezeichnung, mit der die Berliner Musikerin Sibel Koçer alias JakoJako von ihrem Label bedacht wurde, für eine schöne Wortwahl hält, ist wohl eine Frage der Perspektive: Sachlich zutreffend ist sie im Pressetext zu ihrem neuen Album jedenfalls als „Modularsynthesizer-Spezialistin“ charakterisiert.

Dass die Bezeichnung „Modularsynthesizer“ einigen Respekt einflößen kann, hat mit den Geräten selbst zu tun. Nicht selten füllen solche Apparate ganze Wände mit Flächen voller Regler und Steckverbindungen. Über das Verkabeln einzelner Einheiten entstehen interne Verschaltungen für spezifische Effekte, man wählt aus den Möglichkeiten des Instruments mithin „modular“ aus. Bei kompakteren Synthesizern hingegen sind solche Verbindungen in der Regel fest verlötet.

Mit ihrer zweiten LP mit dem Titel „Tet 41“ hat JakoJako nach ihrem Solodebüt „Metamorphose“ von 2022, in dem es lose um die Plastizität des Gehirns ging, zum zweiten Mal ein Konzeptalbum vorgelegt.

Die Instrumentalstücke entstanden während des Tet-Mondneujahrsfests vergangenes Jahr in Vietnam, und eine Verneigung vor den wie endlos im All kreisenden Patterns der Kosmischen Musik kann man durchaus hören, aber auch einen eigenen Ansatz, in dem knappste Melodien und elektronische Schwebeklänge dicht verzahnt sind.

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Tim Caspar Boehme Kulturredakteur

Jahrgang 1971, arbeitet in der Kulturredaktion der taz. Boehme studierte Philosophie in Hamburg, New York, Frankfurt und Düsseldorf. Sein Buch „Ethik und Genießen. Kant und Lacan“ erschien 2005.
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