Neue Musik aus Berlin: Frauen mit Bock auf Rock

24/7 Diva Heaven feiern mit ihrem erstes Album, „Stress“ die angepisste, nihilistische Attitüde der Grunge-Ära. Riot Spears klingen noch dreckiger.

Bandfoto der Band 24/7 Diva Heaven

24/7 Diva Heaven legen ihr Debütalbum „Stress“ vor Foto: Maren Michaelis

Es passiert was in Sachen Rock in Berlin – und das ist aktuell sechs jungen Frauen zu verdanken, die sich dem Sound der Neunziger verschrieben haben. Denn gleich zwei befreundete Female Trios beziehen sich auf ihren nun erscheinenden Debütalben auf die großen Genres jener Zeit: Grunge, Noise Rock, Riot Grrrl.

Da wären zunächst 24/7 Diva Heaven, die auf dem altgedienten Noisolution-Label ihr erstes Album, „Stress“,vorlegen. Vom ersten Akkord an lassen sie wenig Zweifel daran, dass sie die angepisste, nihilistische Attitüde der Grunge-Ära glaubhaft verkörpern: „All my friends are wasted / all my friends are high / as long as we keep drifting / everything’s alright“, singt Gitarristin und Sängerin Katharina Ott-Alavi in „Potface“ mit angekratzter Stimme – damit wäre der Ton gesetzt.

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24/7 Diva Heaven: „Stress“ (Noisolution/Soulfood)

Riot Spears: „Bad“ (Ladies & Ladys), erscheint am 26. März

In insgesamt elf Stücken sorgen 24/7 Diva Heaven für positiven „Stress“, zwischendurch wird es auch mal etwas balladesker wie in „Everyman“. Das Fuzz-Pedal aber bleibt meist durchgetreten, der Sound ist dicht und dringlich, Nirvana und L7 kommen einem in den Sinn. Sehr hübsch auch das Video zu „Bitter Lollipop“.

Das Trio hat übrigens die Grrrl-Noisy-Sessions mit ins Leben gerufen und gehört einem Netzwerk für junge Frauen an, die Bock auf Rock haben, hingegen nicht auf besserwissende Jungmänner um sie herum.

Genau dort, wo 24/7 Diva Heaven aufhören, machen Riot Spears auf „Bad“ weiter. Die Grundausrichtung ist ähnlich, nur geht es – der Name lässt es vermuten – ein bisschen mehr Richtung Riot Grrrl und Punk, der Sound ist etwas dreckiger.

Hitpotenzial ist auch hier in Teilen gegeben, „Alien Pain“ ist ein feiner Banger, „Park Song“ eine krachige Abrissbirne, am Schluss gibt’s einen etwas ruhigeren Hidden Track – auch das irgendwie Neunziger. Die Riot Spears gehören einem Bandkollektiv an, das sich „Bruno ist dagegen“ nennt und kürzlich auch einen empfehlenswerten Sampler für die #leavenoonebehind-Kampagne veröffentlicht hat.

Darauf zu hören natürlich auch 24/7 Diva Heaven. Womit sich der Kreis schlösse. Um Punk, Riot Grrrl und Artverwandte muss man sich in Berlin vorerst keine Sorgen machen.

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ist freier Journalist und Autor. Er schreibt vor allem über Musik, Literatur, Sport, Gesellschaftsthemen. Arbeitet seit 2011 für die taz, derzeit auch als Redakteur im Wochenend-Ressort.

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