Neue Bremer Bildungssenatorin: Lieber leise als laut

Parteichefin Sascha Karolin Aulepp wird am Freitag wohl vom Bremer SPD-Vorstand als Claudia Bogedans Nachfolgerin nominiert. Das überrascht niemand.

Bremens SPD-Landesvorsitzende und künftige Bildungssenatorin Sascha Aulepp und SPD-Parteichefin Saskia Eskens machen ein Selfie

Bald öfter im Vordergrund: Sascha Aulepp (l.) beim Selfie mit Parteichefin Saskia Esken Foto: Michael Bahlo

BREMEN taz | Eines der letzten Themen, die Sascha Aulepp als Antrag in die Bürgerschaft eingebracht hat, ist das Verbot von Einweggrills in Parks. „Es war noch übrig aus dem Petitionsausschuss von letzter Legislaturperiode“, so die Abgeordnete der SPD-Fraktion. „Und sonst hat sich niemand zuständig gefühlt.“

Den Schuh hat sich Aulepp also angezogen, hat das piefige Lokalthema, mit dem man nicht glänzen kann, auf die Tagesordnung gesetzt, und jetzt, jetzt sind sie verboten, die Einweggrills – und das ist gut so, findet sie. Zu einem viel größeren Thema will sie sich lieber nicht äußern: Dass sie Bremens nächste Bildungssenatorin werden dürfte, das will sie nicht kommentieren.

Vorgeschlagen hat Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) sie für das Amt, aber nein, natürlich: Noch ist es nicht so weit. Erst am Freitag wird der Landesvorstand der SPD über die Nominierung entscheiden – und Aulepp ist zu lange dessen Vorsitzende, um nicht zu wissen, dass man der Partei in solchen Entscheidungen nicht vorgreifen sollte.

Seit 2016 ist sie Bremens SPD-Chefin. Gewählt wurde sie damals mit breiter Unterstützung, 194 von 222 Stimmen bekam sie. Nach Bremen gekommen ist die 50-Jährige aus Hanau schon mit Anfang 20, um hier Jura zu studieren. Seitdem wechselt sie zwischen der Juristerei und der Politik. Noch vor dem Partei-Eintritt 2003 wird die selbstständige Rechtsanwältin Referentin im Finanzressort und in der Senatskanzlei unter Bürgermeister Jens Böhrnsen. Später dann ist sie Jugendrichterin – ein Amt, das sie 2015 aufgibt, als sie in die Bürgerschaft gewählt wird.

Der große Auftritt ist nicht ihr's

Aulepp ist keine Frau des großen Auftritts; pathetische Gesten liegen ihr nicht. Eher schon runzelt sie bei Reden und Interviews die Stirn, verzieht den Mund, diverse „Ähs“ schummeln sich in ihre Statements. Wenn man sie außerhalb der Bürgerschaft erkannte, schien ihr das lange fast unangenehm zu sein.

Sie ist wohl eher eine Politikerin der leisen Töne“, meint Jörg Hendrichs aus ihrem angestammten Ortsverein Bremen Mitte-Altstadt. „Sie ist keine Lautsprecherin“, urteilt auch Cornelia Barth, die für die Linke in den Koaltionsverhandlungen mit Aulepp saß. Fleißig, kompetent, gut vorbereitet, das sind Beschreibungen, die von mehreren Seiten fallen.

Für einen Nachteil im Senatorinnenamt hält das keiner von ihnen: „Als Lautsprecherin trampelt man eher in Fettnäpfchen“, sagt Barth. Und Parteifreund Arno Gottschalk gibt zu bedenken, dass auch Claudia Bogedan keine Rampensau gewesen sei.

Gerade in der Bildungspolitik, wo Eltern, Schüler*innen, Leh­re­r*in­nen und Medien um Positionen streiten, sei Zurückhaltung im Auftreten vermutlich von Vorteil: „In so einer emotionalisierten Arena selbst eine emotionalisierende Person zu sein, bringt die Dinge nicht voran“, glaubt Gottschalk. „Ihr Talent, wirklich zuzuhören, ist da viel hilfreicher.“ „Sie ist empathisch“, lobt die bildungspolitische Sprecherin der SPD, Gönül Bredehorst, „das ist überall eine gute Eigenschaft, aber gerade auch in einem sensiblen Bereich wie Bildung.“

Die SPD-Linke kann sich durchsetzen

Dass sie sich unterbuttern lassen könnte, halten diejenigen, die über sie sprechen wollen, nicht für wahrscheinlich: „Haltung“ ist ein Wort, das gleich mehrere Bremer Po­li­ti­ke­r*in­nen nutzen, um sie zu beschreiben. Klar könne sie sich von Argumenten überzeugen lassen. Aber sich eben auch robust durchsetzen – in den Verhandlungen mit anderen Parteien, aber auch SPD-intern.

Im Zweifel ist diese Haltung eher SPD-links. Sozialisiert wurde Aulepp bei den Falken, mit 12 Jahren trat sie dort ein. Sie schimpft über Vonovia und fordert bei Parteitagen Geld vor allem für die Schulen in sozial benachteiligten Stadtteilen. Der CDU ist sie damit tendenziell zu links. „Es spricht ja nichts dagegen, als Parteivorsitzende ein klares Standing zu haben“, so Jens Eckhoff, haushaltspolitischer Sprecher der Unions-Fraktion. „Aber als Senatorin ist man nicht mehr nur für sein Klientel da, sondern für alle Bremer. Da bin ich sehr gespannt.“

Viel Erfahrung im politischen Spiel

Für viele war die Empfehlung Aulepps als Nachfolgerin von Bogedan keine Überraschung. „Sie könnten Sie mich eine Woche einsperren und nachdenken lassen, jemand besseres würde mir nicht einfallen“, sagt Gottschalk. Aulepp bringt mehr Erfahrung im politischen Spiel mit als Gönül Bredehorst, die seit einem halben Jahr bildungspolitische Sprecherin der Fraktion ist.

Auch deren Vorgänger Mustafa Güngör, parteiinterner Experte für Bildungspolitik und mittlerweile Fraktionschef, wäre nicht infrage gekommen – Se­na­to­r*in­nen­pos­ten sollen auch in der SPD paritätisch besetzt werden, auf Claudia Bogedan muss also eine Frau folgen.

Trotzdem bleibt ein Makel: Bildungspolitik hat Aulepp bisher nicht gemacht. In ihrer Fraktion ist sie Sprecherin für Justiz – und auch für Haushaltsfragen zuständig. 30 Anfragen und Anträge hat sie in den letzten drei Jahren mit unterzeichnet, zur Bildung war nichts dabei. „Ihr Hauptthema ist Bildung“, sagt Gottschalk trotzdem. Bei der Aushandlung des Koalitionsvertrags habe sie das bewiesen. Und dass die Bildungspolitik im Doppelhaushalt zum größten Etat befördert wurde, sei ihr Verdienst.

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