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Neue Altersvorsorge und KapitalmarktWetten auf die eigene Lebenszeit

Riester-Rente und Rürup-Rente gleichen oft Inflationsverluste nicht aus, sagt der Verein „Finanzwende“. Eine Gesetzesreform wird kritisch gesehen.

Man kann nicht früh genug anfangen, sich um seine Altersversorgung zu kümmern Foto: imago

Wie sollte man zukünftig fürs Alter vorsorgen: mit einer privaten Zusatzrente, die nur bis zum 85. Geburtstag ausgezahlt wird? Oder mit einem Anteil auf dem Aktienmarkt, auch wenn man am Ende dadurch Geld verlieren könnte? Flexible Möglichkeiten wie diese sieht der Gesetzentwurf der Bundesregierung zur neuen steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge vor. Der Verein „Finanzwende“ hat am Mittwoch einige Aspekte der geplanten Reform begrüßt. Die hohen Kosten des Vorhabens aber wurden bemängelt.

Die geplante Reform ziele „nicht auf ernstgemeinte Kostensenkung“, sagte Britta Langenberg, Referatsleiterin beim Verein Finanzwende, der sich für „faire und nachhaltige Finanzmärkte“ einsetzt.

In einer neuen Studie hat Finanzwende ermittelt, dass schon bei den bereits bestehenden Riester- und Rürup-Renten auch durch die hohen Kosten für Abschluss und Verwaltung die Rendite schmal ausfällt. Gut zwei Drittel der untersuchten Riester- und Rürup-Angebote erreichten nicht mal das Mindestziel von zwei Prozent Rendite als Inflationsausgleich, so die Studie. Bei dieser Erhebung von Finanzwende wurden allerdings die staatlichen Kinderzulagen nicht gesondert berücksichtigt, die die Bilanz für Eltern erheblich verbessern.

Die Fehler der Riester-Rente würden durch den neuen Gesetzentwurf „zementiert“, sagte Langenberg. Zwar gebe es im Gesetzentwurf einen Kostendeckel, doch dieser gelte nur für sogenannte Standardprodukte und sei zu hoch.

Mehr Aktien, mehr Risiko

Im Gesetzentwurf der Bundesregierung ist vorgesehen, die jährliche Rendite auf die geförderte private Altersvorsorge durch die Kosten nur um „maximal 1,5 Prozent“ mindern zu können, dies aber während der gesamten Vertragslaufzeit. Der Gesetzentwurf sieht außerdem ein neues System an Zulagen vor, von dem vor allem Altersvorsorgende mit „geringen und mittleren Einkommen“ profitieren sollen.

Neu sind die Wahlmöglichkeiten im Entwurf. Versicherte sollen wählen können, ob sie ein Produkt möchten, das durch einen höheren Anteil von Aktien mehr Rendite verspricht, aber nur die Rückzahlung von 80 Prozent des eingezahlten Kapitals „garantiert“, denn bei fallenden Aktienkursen sinkt der Auszahlungswert. Bisher gilt bei der Riester-Rente eine Garantie auf die komplette Rückzahlung der eingezahlten Beiträge.

Im Gesetzentwurf ist außerdem vorgesehen, dass Versicherte wählen können, ob sie eine monatliche Auszahlung der privaten Zusatzrente nur bis zum 85. Lebensjahr mit höheren Renten pro Monat oder eine „lebenslange Leibrente“ abschließen wollen. Langenberg begrüßte diese Möglichkeit. Sie sei zum Beispiel „für Kranke eine ernsthafte Alternative“ und bringe „mehr Flexibilität“.

Schweden müssen vorsorgen

Langenberg kritisierte die Unübersichtlichkeit der neuen Produkte, die mit den Reformplänen der Bundesregierung käme. „Wir befürworten ein einfaches Standardprodukt mit niedrigen Kosten“, so die Expertin von Finanzwende. Sie nannte die Prämienrente in Schweden als Beispiel für ein Produkt mit niedrigen Kosten.

Schweden müssen 2,5 Prozent ihres Bruttoeinkommens in die verpflichtende private Vorsorge einzahlen, der Arbeitgeber trägt davon allerdings 60 Prozent. Auch durch die hohe Zahl der Beitragenden lassen sich dort die Kosten niedrig halten.

Das Gesetz zur Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge wurde bereits in erster Lesung im Bundestag beraten. Die neuen Produkte sollen im Januar 2027 starten. Die Reformen bei der gesetzlichen Rente werden noch in einer Rentenkommission besprochen.

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