Neonazi in Griechenland festgenommen: „Okay Leute, es ist vorbei“

Eine Anti-Terroreinheit hat Christos Pappas in Athen aufgespürt. Die Nummer Zwei der „Goldenen Morgenröte“ war neun Monate untergetaucht.

Christos Pappas bei seiner Verhaftung in einem Anti-Terror-Fahrzeug der Polizei

Christos Pappas bei seiner Verhaftung in einem Anti-Terror-Fahrzeug der Polizei Foto: Eurokinissi/ZUMA/dpa

ATHEN taz | Neun Monate war Christos Pappas untergetaucht. Per Europäischem Haftbefehl gesucht, wurde er in der autonomen Mönchsrepublik Athos im Norden Griechenlands vermutet, in Serbien, in der bosnischen Republika Srpska oder auch in Deutschland. Nun hat eine Anti-Terror-Einheit der griechischen Polizei die Nummer Zwei der neofaschistischen „Goldene Morgenröte“ in Athen verhaftet.

Im Oktober vergangenen Jahres war die „Goldene Morgenröte“ – Chrysi Avgi auf Griechisch – von einem Athener Gericht als kriminelle Vereinigung eingestuft worden. Die gesamte Führungsriege der Partei wurde zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Wie auch der Parteivorsitzende Nikolaos Michaloliakos sollte Stellvertreter Pappas für mehr als 13 Jahre ins Gefängnis.

Doch der frühere Parlamentsabgeordnete, der überraschend vor Prozessende aus der Untersuchungshaft entlassen worden war, entzog sich dem Haftantritt. Das hatte die konservative Regierung von Kyriakos Mitsotakis in einige Erklärungsnot gebracht, stand Pappas doch angeblich unter strenger Überwachung.

In der Nacht auf Donnerstag wurde Pappas, der als intellektueller Kopf der „Goldene Morgenröte“ galt, nun in der Wohnung einer Gesinnungsgenossin im Athener Stadtteil Zografou festgenommen. „Okay Leute, es ist vorbei“, sollen laut der Tageszeitung Ta Nea die ersten Worte des 59-Jährigen bei seiner Festnahme gewesen sein. Er habe ohnehin innerhalb des nächsten Monats aufgeben wollen.

Aufsehen erregender Prozess

Pappas, der in griechischen Medien als glühender Hitler- und Mussolini-Verehrer beschrieben wird, ist einer der Mitgründer der Mitte der 1980er Jahre entstandenen „Goldene Morgenröte“. Als die Partei im Mai 2012 mit 7 Prozent erstmalig den Sprung ins griechische Parlament schaffte, gehörte er zu einer ihrer 18 Abgeordneten. Sein Mandat verlor er, als die neofaschistische Truppe bei den Wahlen 2019 mit nur noch 2,9 Prozent knapp den Wiedereinzug verpasste.

Anlass des Aufsehen erregenden Prozesses, der fünf Jahre nach seinem Beginn im Oktober 2020 zur Verurteilung von Pappas und seiner Mitstreiter geführt hat, war der Mord an dem linken Rapper Pavlos Fyssas. Der 34-jährige Fyssas war im September 2013 von einem Mitglied der „Goldenen Morgenröte“ erstochen worden.

In dem Prozess wurde die Partei, die über enge Kontakte zur militanten Neonazi-Szene auch über die Grenzen Griechenlands hinaus verfügte, zudem für mehrere versuchte Morde sowie zahlreiche Gewalttaten gegen Migranten, Linke und Gewerkschafter verantwortlich gemacht. Insgesamt verurteilte das Gericht mehr als 50 „Goldenen Morgenröte“-Mitglieder wegen diverser Delikte zu Haftstrafen.

„Mit der Festnahme von Christos Pappas ist das Kapitel der kriminellen Vereinigung endgültig abgeschlossen“, erklärte jetzt Regierungssprecherin Aristotelia Peloni. „Die Hellenische Republik hat das giftige Gift der Goldenen Morgenröte bekämpft und beseitigt.“

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