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Nebensachen aus SydneyVom trügerischen Reiz des Rugby-Bullen

Deutsche Frauen stehen auf echte australische Kerle. Zumindest kurzfristig.

Sie sind 120 Kilo schwer, haben Oberschenkel wie Baumstämme, kurz geschorene Haare und eine eingedrückte Nase: australische Rugbyspieler. Und sie sind Objekte der Begierde - zumindest für gewisse deutsche Frauen. Immer wieder sehe ich dasselbe Szenario: Eine junge Deutsche kommt als Touristin nach Downunder und verliebt sich in einen dieser Hünen. "Der Mann fürs Leben", sagt sie und setzt Himmel und Hölle in Bewegung, um bleiben zu können. Ein halbes Jahr später reist sie fluchtartig ab - mit dem Schwur, nie wieder einen Fuß in das Land der Barbaren setzen zu wollen. Gerade wieder musste ich eine solche Szene miterleben. Anlass genug, der Sache mal auf den Grund zu gehen.

Was macht den australischen Rugbyspieler so interessant, frage ich Corina, eine Austauschstudentin. "Er ist ein richtiger Mann", antwortet sie. Diese Aussage muss den gefühlsbetonten, intellektuellen, kulturbewussten Mitteleuropäer tief treffen. Da kämpft der Europa-Softie Wochen lang vorsichtig um die Gunst der modernen Deutschen - und dann kommt so ein "Bulle" und erobert sie am ersten Abend.

Tatsächlich scheint es die rohe, gelegentlich primitive Art vieler australischer Rugbyspieler zu sein, die auch sonst wählerische europäische Frauen fasziniert. Es vergeht keine Woche, in denen die Zeitungen nicht über Verfehlungen von Spielern berichten. Fahren im Suff, Prügeleien, Drogen, Grapschereien, sexuelle Belästigungen. Vor ein paar Jahren war dem halben Team von Profispielern aus Sydney vorgeworfen worden, eine Frau vergewaltigt zu haben - einer nach dem andern. Wie meist wurden auch in diesem Fall nach einiger Zeit die Vorwürfe fallen gelassen.

Australische Clubs wenden ungeheure Mengen Geld für PR-Kampagnen auf, um das Bild von Rugbyspielern als "Helden" aufrecht zu erhalten. Denn Abermillionen von Sponsorengeldern stehen auf dem Spiel. Psychologen führen die hohe Rate von Verfehlungen unter Rugbyspielern auf verschiedene Faktoren zurück. Einer ist der relativ geringe Bildungsstand. Dazu kommt der Gruppendruck: Wer nicht mitmacht, gehört nicht dazu. Zuoberst auf der Liste aber steht eine Machokultur, in der jener der Stärkste ist, der am besten prügelt und am meisten säuft, und in der die Frau bestenfalls als Sexobjekt dient oder zum Öffnen der Bierdose.

Sexobjekt? Bierdose? Für Corina ist schon das Aufschrauben einer Cola-Flasche für einen Mann ein Zeichen von Unterwürfigkeit. Trotzdem ließ sie sich mit Clark ein, dem Rugbyspieler. Nach langem Fragen wird klar: Es ist der Sex, der fasziniert. Doch auch die heißeste Nacht am Strand verliert schnell an Reiz, wenn man danach nur über turbogeladene Autos und saufende Kumpel sprechen kann - und Rugby. So ist auch Corina inzwischen wieder zurück in Berlin - verlobt mit einem Deutschen.

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