Nachrichten in der Coronakrise: Baerbock verteidigt Impfpflicht

Laut Medienberichten ist auf Zypern eine neue Corona-Mutation nachgewiesen worden. Karl Lauterbach kündigt eine Liste mit wirksamen Omikron-Schnelltests an.

Hände in SChutzhandschuhen halten zwei Ampullen

Zwei Ampullen mit Impfstoff Foto: Robert Michael/dpa

Baerbock verteidigt Vorstoß für Impfpflicht in Deutschland

Außenministerin Annalena Baerbock hat sich bei ihrem Besuch in Italien hinter die Einführung einer Impfpflicht gestellt. „Ich glaube, dass eine Impfpflicht sinnvoll ist“, sagte die Grünen-Politikerin nach einem Treffen mit ihrem italienischen Amtskollegen Luigi Di Maio am Montag in Rom. Sie und ihre Partei hätten das bereits deutlich gemacht. Es gehe darum, das Leben wieder so zu leben, wie es die Menschen gewohnt waren und darum Menschen zu schützen. Es sei daher sinnvoll, die Impfpflicht in Deutschland einzuführen, erklärte die 41-Jährige.

Italien hatte zuletzt die Impfpflicht ausgeweitet. Seit dem 8. Januar müssen sich Menschen, die älter als 50 Jahre sind, gegen Covid-19 immunisieren lassen. Ab dem 1. Februar droht eine Geldstrafe für diejenigen, die sich entweder die erste oder eine der Folgeimpfdosen nicht verabreichen lassen.

Am Nachmittag stand für Baerbock ein Besuch in einem Impfzentrum in Rom an. Di Maio bedankte sich bei der Deutschen für ihre Bereitschaft, dort hinzugehen. Die italienische Impfstrategie hat ihm zufolge große Erfolge gezeigt. Er verwies darauf, dass die Einführung der Pflicht für die Über-50-Jährigen eine Empfehlung der Wissenschaft gewesen sei.

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Stand Montagmorgen waren dem Gesundheitsministerium zufolge rund 89,4 Prozent der Menschen in Italien, die älter als zwölf Jahre sind, gegen Covid-19 geimpft. In den vergangenen Wochen stiegen die Corona-Fallzahlen in dem Land mit rund 60 Millionen EinwohnerInnen rapide an. Die zuletzt offiziell berechnete Sieben-Tage-Inzidenz lag bei landesweit durchschnittlich 1.669 Fällen je 100.000 EinwohnerInnen. (dpa)

Gesundheitsminister beraten über mögliche vierte Impfung

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern beraten bei ihrer ersten regulären Konferenz in diesem Jahr voraussichtlich über eine mögliche vierte Impfung gegen das Coronavirus. Das geht nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur aus der Tagesordnung für die Runde am Montag hervor. Bisher läuft in Deutschland die Booster-Impfkampagne mit Auffrischungsimpfungen. Israel impft zum Beispiel bereits das vierte Mal.

Die Gesundheitsminister wollen sich den Informationen zufolge auch über die aktuelle Infektionslage und über neue Erkenntnisse zur Omikron-Virusvariante sowie über den Stand von Coronatests austauschen. Zudem geht es um die Ergebnisse der Ministerpräsidentenkonferenz vom Freitag und um den Stand der Impfungen bei Apotheken, Zahn- und Tierärzten. In der vergangenen Woche kamen die Gesundheitsminister bereits zu einer Sondersitzung zusammen. (dpa)

Lauterbach will wirksame Omikron-Schnelltests auflisten

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hat eine Positivliste für Schnelltests angekündigt, mit denen die Omikron-Variante des Coronavirus gut erkannt werden kann. Er habe am Sonntag das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) veranlasst, „eine Positivliste vorzubereiten mit Tests, die für Omikron besonders geeignet sind beziehungsweise Omikron gut erkennen“, sagte Lauterbach am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“. Damit soll eine bessere Orientierung bei der Test-Auswahl ermöglicht werden.

„Dies wird allerdings einige Zeit in Anspruch nehmen“, sagte Lauterbach. Die Erkenntnisse zu Tests, die bereits in den vergangenen Monaten ausgewertet wurden, könnten nicht eins zu eins auf Omikron angewendet werden. Sinnvoll sei es aktuell, Schnelltests gegebenenfalls mehrfach vorzunehmen.

„Wir wissen nicht genau, wie diese Tests für Omikron wirken“, sagte der Bundesgesundheitsminister. Es sei bisher nicht möglich gewesen, das zu prüfen, weil keine Referenzwerte vorhanden gewesen seien. „Also wir wussten nicht genau, wie viel Viruslast muss da sein, damit jemand mit Omikron infiziert überhaupt für andere ansteckend ist“, sagte Lauterbach. „Diese Daten bekommen wir gerade jetzt.“ Deshalb habe er veranlasst, dass die jetzt vorhandenen Tests auf ihre Wirksamkeit bei der Anzeige von Omikron überprüft werden. „Das ist jetzt in Vorbereitung.“

PEI-Präsident Klaus Cichutek sagte im ZDF-„Morgenmagazin“, die derzeit erhältlichen Tests seien „nicht unzuverlässig“. Er wies darauf hin, dass sein Institut bereits vor der Verbreitung der Omikron-Variante in Deutschland mehr als 250 Tests evaluiert habe. Dabei hätten rund 80 Prozent der angebotenen Produkte die geforderte Sensitivität erreicht. An der entsprechenden, bisher vorliegenden Liste würden sich auch jetzt bereits Apotheken und Schnelltest-Zentren orientieren, aber auch weitere Anbieter für Selbsttests wie Supermärkte oder Discounter.

Cichutek empfahl gleichwohl Verbraucherinnen und Verbrauchern, beim Kauf ebenfalls diese Liste des PEI zu berücksichtigen. Insgesamt sei aber in Deutschland bereits „ein höheres Level an Testsicherheit“ erreicht worden. Die verfügbaren Tests seien „geeignet, Personen mit hoher Viruslast zu erkennen“. Zugleich seien falsch-positive Testergebnisse „so gut wie ausgeschlossen“.

Zur spezifischen Wirksamkeit bei Omikron-Fällen, wo die Viruslast häufig geringer ist, äußerte sich der PEI-Präsident in dem Interview nicht ausdrücklich. Das Institut hatte aber bereits kürzlich erklärt, dass die derzeit eingesetzten Schnelltests grundsätzlich in der Lage sein dürften, die Virusvariante zu erkennen, da die für die Tests entscheidenden Virusbestandteile sich bei Omikron nicht wesentlich im Vergleich zu früheren Varianten verändert seien.

Allerdings hatte auch das PEI in seiner Erklärung von Ende Dezember auf einen Bedarf an weiteren Untersuchungen hingewiesen. Das Paul-Ehrlich-Institut ist für die Prüfung und Zulassung von Impfstoffen sowie bestimmten Medikamenten in Deutschland zuständig. Die Schnelltests wurden zwar untersucht und bewertet, für deren Zertifizierung ist das PEI aber nicht zuständig. (afp)

Neue Corona-Variante auf Zypern entdeckt

Mehreren Medienberichten zufolge wurde auf Zypern eine neue Corona-Mutante entdeckt. Ein Team aus Wis­sen­schaft­le­r*in­nen soll am Wochenende gemeldet haben, dass sie eine Mischung aus der Delta- und der Omikron-Variante nachgewiesen haben. Das berichtete unter anderem auch die Nachrichtenagentur Bloomberg. Bislang sollen 25 Infektionen mit der Deltakron-Variante festgestellt worden sein. Die Datenlage sei aber bislang äußerst dünn und über die Infektiosität und der Krankheitsschwere der Variante ist bislang wenig bekannt. (taz)

Indien beginnt zu boostern

Indien hat begonnen, seine Bevölkerung zu boostern. Ab Montag erhielten unter anderem Personal im Gesundheitswesen, bei der Polizei oder Armee, Behördenmitarbeitende im Corona-Dienst sowie gefährdete Über-60-Jährige die dritte Dosis Corona-Impfstoff, wie es aus dem Gesundheitsministerium in Neu Delhi hieß. Insgesamt dürften damit derzeit rund 57,5 Millionen Menschen in dem 1,3-Milliarden-Einwohner-Land zum Boostertermin kommen, berichteten örtliche Medien.

Rund die Hälfte der Bevölkerung hat bislang zwei Dosen erhalten. Die meisten bekamen das in Indien hergestellte Mittel von AstraZeneca mit dem Namen Covishield.

Die Coronazahlen steigen im Zusammenhang mit Omikron seit einiger Zeit schnell, nachdem die Zahlen nach einer heftigen und tödlichen Delta-Welle vor knapp einem Jahr tief waren. Am Montag meldete das Gesundheitsministerium knapp 180.000 Tagesneuinfektionen – 20.000 mehr als am Tag davor. Bei der heftigen Delta-Welle wurden in Höchstzeiten um die 400.000 Tagesneuinfektionen gemeldet, die meisten Menschen waren damals nicht geimpft. Studien wiesen bei den Fällen und Todeszahlen auf eine große Dunkelziffer hin. (dpa)

Stark-Watzinger mahnt Notfallpläne der Schulen an

Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger hat Ausfallpläne der Schulen angemahnt, damit Unterricht bei Corona-Infektionen von Lehrern oder Schülern notfalls auch in hybrider Form möglich ist. „Bildung muss oberste Priorität haben“, sagt die FDP-Politikerin im ZDF anlässlich des heute wieder beginnenden Unterrichts in acht Bundesländern. Hygienemaßnahmen und Maskenpflicht müssten konsequent umgesetzt werden und umfangreiche Testungen seien nötig. (rtr)

Inzidenz steigt auf 375,7

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldet binnen 24 Stunden 25.255 Coronaneuinfektionen. Das sind 6.737 Fälle mehr als am Montag vor einer Woche, als 18.518 Positivtests gemeldet wurden. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 375,7 von 362,7 am Vortag. Der Wert gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben. 52 weitere Menschen starben im Zusammenhang mit dem Virus. Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten Todesfälle binnen eines Tages auf 114.029. Insgesamt fielen in Deutschland bislang mehr als 7,53 Millionen Coronatests positiv aus.

Der Grünen-Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen erwartet, dass Bund und Länder bereits vor dem nächsten Spitzentreffen am 24. Januar neue Coronabeschränkungen beschließen müssen. Was man im Moment tue, reiche nicht aus, um die Omikron-Welle einzudämmen, sagt Dahmen im Deutschlandfunk. Er bringt erneut die Schließung etwa von Fitness-Studios, aber auch der Gastronomie ins Gespräch.

Vor der Einführung einer allgemeinen Impfpflicht fordert der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen die Ausweitung der einrichtungsbezogenen Impfpflicht auf Feuerwehr, Polizei und Justizvollzug. Im Deutschlandfunk sagte er, dass auch eine Impfpflicht für Lehrer und Lehrerinnen sinnvoll sein könne. Eine allgemeine Impfpflicht könne ohnehin erst Schutz vor weiteren Wellen im kommenden Winter bieten.

Ab dem 1. Februar verkürzt sich einem Medienbericht zufolge der Geimpften-Status für Personen, die zwei Mal gegen Corona geimpft wurden. Ab dem Tag werden „digitale Impfzertifikate der EU für die Grundimmunisierung“ nach 270 Tagen ungültig, berichtet die Bild unter Berufung auf die Antwort der Parlamentarischen Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium Sabine Dittmar (SPD) auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Wilfried Oellers (CDU) zu einer Entscheidung der Europäischen Kommission. Demnach werde die Anerkennungsdauer von Digitalen Impfzertifikaten der Europäischen Union (EU) für die Grundimmunisierung auf 270 Tage festgelegt. „Für Booster-Impfungen selbst wird mangels wissenschaftlicher Erkenntnisse noch keine maximale Anerkennungsdauer vorgesehen.“ (rtr)

Tennis-Star Djokovic gewinnt Rechtsstreit um Einreise

Der serbische Tennis-Star Novak Djokovic hat den Rechtsstreit um seine Einreise nach Australien überraschend gewonnen. Richter Anthony Kelly ordnete am Montag die sofortige Freilassung des Weltranglistenersten aus einem Abschiebehotel an. Grenzbeamte hatten ihm die Einreise verweigert, da er nicht die erforderlichen Corona-Impfnachweise vorlegen konnte.

Der Anwalt der Regierung, Christopher Tran, erklärte jedoch, dass Australien noch von seinen ministeriellen Befugnissen Gebrauch machen und Djokovics Ausreise anordnen könnte. Damit dürfte der Tennisspieler drei Jahre lang nicht mehr einreisen.

Der 34-jährige Weltranglistenerste, der sich wiederholt kritisch über Corona-Impfungen geäußert hatte, war am Mittwoch für die Australian Open nach Melbourne gereist, nachdem er nach eigenen Angaben eine Ausnahmegenehmigung von den Veranstaltern für eine Einreise ohne Impfnachweis erhalten hatte. Die australischen Grenzbeamten erkannten dies jedoch nicht an und entzogen ihm das Visum. Djokovic wurde in ein Abschiebehotel gebracht.

Djokovics Anwälte waren gerichtlich gegen die Annullierung des Visums vorgegangen. Sie argumentierten, Djokovics Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung sei von zwei unabhängigen medizinischen Gremien genehmigt worden. Als Grund für die Genehmigung führten sie einen positiven Coronatest des serbischen Spielers vom 16. Dezember an. (afp)

Keine „unzuverlässigen“ Coronaschnelltests in Deutschland

In Deutschland gibt es nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) keine Coronaschnelltests zu kaufen, die das Label „unzuverlässig“ verdienen. Das PEI habe eine Liste mit Tests veröffentlicht, die über eine „erhöhte Sensitivität“ verfügten, sagt der Präsident des Instituts, Klaus Cichutek, im ZDF. Die Tests, die die höheren Anforderungen nicht erfüllten, würden in Deutschland nicht verkauft, weil sich Testzentren, Apotheken und Discounter an der PEI-Liste orientierten. Cichutek sagte zudem, an Omikron angepasste Impfstoffe würden voraussichtlich noch im ersten Halbjahr in ausreichender Menge verfügbar sein. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hatte am Sonntag in der ARD eine Positivliste für Schnelltests angekündigt. Er habe das PEI veranlasst, eine solche Aufstellung vorzubereiten mit Tests, die für Omikron besonders geeignet seien beziehungsweise Omikron früh erkennen sollten. (rtr)

Vorsichtiger Optimismus in Israel

Der Coronabeauftragte der israelischen Regierung, Salman Zarka, sieht trotz der nahenden Omikron-Welle weltweit Grund zu vorsichtigem Optimismus. „Das Virus wird uns nicht auf Dauer stoppen“, sagt Zarka dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Wir werden unser Leben zurückbekommen – allerdings nicht genau so, wie es vorher war.“ Auf Dauer werde eine höhere Wachsamkeit als früher erforderlich sein. „Masken werden in manchen Situationen weiter eine Rolle spielen, Impfungen werden unverzichtbar sein, und das Leben zwischen zwei Wellen wird leichter sein, als wenn gerade wieder die Inzidenz einer neuen Variante ansteigt. Dann wird es nicht ratsam sein, etwa in ein Fußballstadion zu gehen oder zu einer großen Party.“ Er rät davon ab, in der derzeitigen Omikron-Welle auf bewusste Ansteckungen zu setzen und damit eine Herdenimmunität anzustreben: „Niemand weiß ja, was nach Omikron kommt. In Südafrika waren viele Menschen mit Delta infiziert – das hat sie nicht davor geschützt, später auch von Omikron befallen zu werden.“ (rtr)

Mehr als eine Million Infektionen in Australien

Australien verzeichnet offiziellen Daten zufolge mehr als eine Million Coronainfektionen. Die Bundesstaaten New South Wales und Victoria melden zusammen etwa 55.000 Positivtests. Damit steigt die Gesamtzahl der Infektionen seit Beginn der Pandemie auf 1,03 Millionen. Weitere Bundesstaaten und Territorien werden erst im Laufe des Tages ihre Zahlen melden. Das Land konnte die Ausbreitung des Virus fast zwei Jahre lang mit der Schließung von Landesgrenzen und Lockdowns kontrollieren. Nach der Lockerung der Beschränkungen kämpft Australien zurzeit mit einem Ausbruch der hochansteckenden Omikron-Variante. (rtr)

Streeck für „pragmatischen Umgang“ mit der Pandemie

Der Bonner Virologe Hendrik Streeck spricht sich für einen pragmatischen Umgang mit der Coronapandemie aus. „Der Gedanke setzt sich langsam durch, dass wir einen pragmatischen Umgang mit der Pandemie brauchen, um mit dem Virus leben zu lernen. Dagegen ist der dauerhafte Alarmzustand ermüdend und nicht erfolgreich“, sagt Streeck, der auch dem Expertenrat der Bundesregierung angehört. Er mahnt an, die Belastung in den Krankenhäusern aber „weiterhin aufmerksam zu beobachten und notfalls mit Maßnahmen zu reagieren“. Dazu gehöre es aber auch, die „Hospitalisierungsinzidenz valide zu erfassen“. Aktuell bildet diese alle Patienten ab, die mit einem positiven Coronatest in ein Krankenhaus eingewiesen werden. Experten und Politiker fordern daher, nur jene Patienten in den Kennwert aufzunehmen, bei denen Corona auch der Grund für die Hospitalisierung ist. (rtr)

Zwölf Prozent der Pflegefachstellen auf Intensivstationen unbesetzt

Der Pflegekräftemangel in den Kliniken hat sich laut der Deutschen Krankenhausgesellschaft im Coronajahr 2021 zugespitzt. Auf den Normalstationen seien sechs Prozent der Stellen und auf den Intensivstationen zwölf Prozent der Stellen für Pflegefachkräfte unbesetzt geblieben, sagte der Vorsitzende Gerald Gaß dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (Montag). Deshalb habe während der Pandemie ein Teil der Intensivkapazitäten zeitweise oder dauerhaft abgemeldet werden müssen, erklärte er.

Im vergangenen Jahr konnten laut Gaß 8.000 Arbeitsplätze auf den Intensivstationen und damit jede achte Fachstelle nicht besetzt werden. Bis eine neue Intensivfachkraft eine offene Stelle besetzt habe, seien im Durchschnitt 21 Wochen vergangen. Vor fünf Jahren hätten die Kliniken lediglich 3.100 zusätzliche Stellen ausgeschrieben. Auf den Normalstationen seien 2021 bundesweit rund 14.000 Stellen für examinierte Pflegefachkräfte in den Kliniken unbesetzt geblieben. Vor fünf Jahren waren es Gaß zufolge nur 3.900 unbesetzte Stellen. Bis eine Fachkraft eingestellt worden sei, habe es 2021 durchschnittlich 17 Wochen gedauert.

Der Personalmangel habe sich aus verschiedenen Gründen verschärft, erläuterte der Chef der Krankenhausgesellschaft: „Die geburtenstarken Jahrgänge gehen in den Ruhe- oder Vorruhestand. Außerdem bleiben viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter länger in der Elternzeit und verbleiben anschließend länger in Teilzeit.“

Während es auf dem Land vor allem an Ärztinnen und Ärzten mangele, da diese nach dem Studium lieber in den Universitätsstädten bleiben, zögen Pflegefachkräfte wegen hoher Mieten eher aus den Städten aufs Land, fügte Gaß hinzu. Die Pflegekräfte kündigten ihre Jobs auch wegen Arbeitsüberlastung, was wiederum zu einer höheren Belastung für die anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führe. (epd)

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