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+++ Nachrichten im Iran-Krieg +++Iran dementiert Verhandlungen mit USA

Trump verkündet nach „produktiven Gesprächen“ mit Iran eine Feuerpause auf Kraftwerke und Energie-Infrastruktur. Iranische Quellen dementieren Gespräche.

Nach einem amerikanisch-israelischen Militärschlag geht in Teheran die Sonne auf (3.3.2026) Foto: Vahid Salemi/AP/dpa

Trump spricht von Gesprächen mit „angesehenstem“ Führer

US-Präsident Donald Trump sieht eine Einigung mit dem Iran über ein mögliches Kriegsende in Reichweite. Er sagte am Montag in Palm Beach im Bundesstaat Florida, es gebe „wesentliche Übereinstimmungen“ in den wiederaufgenommenen Gesprächen mit Teheran. Zur Bedingung machte Trump, dass der Iran sein Atomprogramm sowie sein angereichertes Uran aufgibt. Im Falle eines „Deals“ würden die USA sich das Uran holen, erklärte er.

Trump sagte weiter, die USA verhandelten mit einer „Top-Person“ im Iran. Dabei handele es sich jedoch nicht um den obersten Führer der Islamischen Republik, Modschtaba Chamenei. Die Gespräche würden mit einem Mann geführt, „von dem ich glaube, dass er der angesehenste und der Führer ist“, sagte der US-Präsident. Es werde eine „sehr ernsthafte Form eines Regimewechsels“ geben, fügte er hinzu, ohne Namen zu nennen.

Iran dementiert Verhandlungen mit USA

Zwischen Iran und den USA gibt es der iranischen Nachrichtenagentur Fars zufolge keine direkten oder indirekten Kontakte. Die Agentur zitierte eine anonyme Quelle im iranischen Machtapparat, wonach Trump zurückgerudert sei, nachdem er gehört habe, dass alle Kraftwerke in Westasien Ziele iranischer Angriffe sein würden. Die iranische Nachrichtenagentur Tasnim schrieb, Trump habe sich „vom Druck der Finanzmärkte“ überzeugen lassen. Iran werde seine Verteidigung fortsetzen.

Auch von Tasnim kommt unter Berufung auf Kreise der iranischen Führung eine ähnliche Meldung. Es gebe keine Verhandlungen zwischen Iran und den USA, schreibt Tasnim. Iran werde sich weiter verteidigen, in der Straße von Hormus werde es keine Bedingungen wie vor dem Krieg geben und die Energiemärkte blieben in Aufruhr. Dagegen hatte US-Präsident Donald Trump kurz zuvor über „produktive“ Gespräche mit der Regierung in Teheran berichtet. (dpa/rtr)

Trump will Angriffe auf Kraftwerke aussetzen

US-Präsident Donald Trump verlängert seine Frist für die Wiedereröffnung der Straße von Hormus durch Iran. Die USA würden fünf Tage lang auf Angriffe auf iranische Kraftwerke verzichten, teilte Trump am Montag auf seiner Plattform Truth Social mit. Zur Begründung verwies er auf „gute und produktive Gespräche“, die die USA und Iran in den vergangenen zwei Tagen geführt hätten.

Die Gespräche könnten zu einer „vollständigen und umfassenden Lösung“ des Krieges führen, schrieb Trump in Großbuchstaben. Diese Gespräche würden die ganze Woche über fortgesetzt. Der US-Präsident ging nicht näher auf die diplomatischen Kontakte ein. Iran bestätigte zunächst keine Gespräche zwischen den Ländern.

Trump hatte Teheran in der Nacht zum Sonntag (MEZ) eine Frist von 48 Stunden gesetzt, innerhalb derer die Blockade der Straße von Hormus aufgehoben werden müsse. Andernfalls wollten die USA iranische Kraftwerke angreifen. Iran drohte daraufhin, Kraftwerke in der Region anzugreifen, die US-Militärstützpunkte mit Strom versorgen. (ap)

Iran droht bei US-israelischen Angriffen auf Küste mit Seeminen im Persischen Golf

Iran hat im Fall US-israelischer Angriffe auf seine Küstengebiete oder Inseln mit der Verlegung von Seeminen im Persischen Golf gedroht. Jeglicher Versuch seitens der USA und Israels, die iranischen Küsten oder Inseln unter Beschuss zu nehmen, werde „natürlich und gemäß gängiger militärischer Praxis dazu führen, dass alle Zugangswege und Kommunikationslinien im Persischen Golf und in den Küstengebieten mit verschiedenen Arten von Seeminen“ versehen würden, erklärte der Verteidigungsrat des Landes laut Staatsmedien am Montag.

Laut der Erklärung würden auch „Treibminen“ verlegt, „die von den Küsten aus eingesetzt werden können“. Überdies veröffentlichte die Islamische Republik Karten von Kraftwerken, die sie in der Region angreifen will – als Reaktion auf das Ultimatum von US-Präsident Donald Trump zur Freigabe der wichtigen Straße von Hormus.

Staatliche Medien, darunter die Justiz-Website Misan Online, veröffentlichten am Montag Infografiken mit potenziellen Zielen in Israel, darunter die beiden größten Kraftwerke des Landes, Orot Rabin und Rutenberg. Eine weitere Infografik der Nachrichtenagentur Mehr trug den Titel „Verabschieden Sie sich vom Strom“. Sie zeigte mögliche Ziele in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar und Kuwait. „Im Falle des geringsten Angriffs auf die Strominfrastruktur der Islamischen Republik wird die gesamte Region in Dunkelheit versinken“, hieß es in der Grafik.

Der einflussreiche iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf drohte, Iran werde lebenswichtige Infrastruktur in der gesamten Region „unwiderruflich“ zerstören, sollten die Vereinigten Staaten und Israel die Infrastruktur seines Landes angreifen. (afp)

IEA-Chef warnt vor schwerster Energiekrise seit Jahrzehnten

Der Chef der Internationalen Energieagentur (IEA), Fatih Birol, hat angesichts des Iran-Kriegs vor der womöglich schwersten Energiekrise seit Jahrzehnten gewarnt. Die aktuelle Krise sei „zwei Ölkrisen und ein Gaskollaps in einem“, sagte Birol am Montag dem nationalen Presseklub im australischen Sydney mit Blick auf die Ölkrisen der 1970er-Jahre und die Auswirkungen der russischen Invasion der Ukraine im Jahr 2022. Die israelische Armee startete derweil eine neue Angriffswelle auf Ziele in Teheran. Die Golfstaaten meldeten Angriffe aus Iran auf ihre Territorien.

Während der zwei aufeinanderfolgenden Ölkrisen in den 1970er-Jahren habe die Welt „jeweils etwa fünf Millionen Barrel Erdöl pro Tag verloren“, sagte Birol. „Bis heute haben wir elf Millionen Barrel pro Tag verloren, also mehr als zwei große Ölschocks zusammengenommen“, fügte er hinzu. Im Verlauf des Krieges seien bislang mindestens 40 Energieanlagen in der Region „schwer oder sehr schwer beschädigt“ worden.

Angesichts der Blockade der für den weltweiten Seehandel wichtigen Straße von Hormus sprach der IEA-Chef außerdem von einer „großen Bedrohung“ für die Weltwirtschaft. „Kein Land wird von den Auswirkungen dieser Krise verschont bleiben, wenn sie sich weiter in diese Richtung entwickelt“, sagte er. Daher seien globale Anstrengungen erforderlich. „Ich hoffe sehr, dass dieses Problem so bald wie möglich gelöst wird.“ (afp)

Macron warnt vor „Risiko einer unkontrollierbaren Eskalation“

Der französische Präsident Emmanuel Macron hat im Zusammenhang mit wechselseitigen Drohungen von Angriffen auf Energieinfrastruktur im Iran-Krieg vor dem „Risiko einer unkontrollierbaren Eskalation“ gewarnt. Macron schrieb auf X, er habe mit Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman gesprochen. Macron forderte alle Konfliktparteien auf, ein Moratorium für Angriffe auf Energie- und andere zivile Infrastrukturen einzuhalten, und drängte Iran, den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus frei fließen zu lassen.

Nach einer am Montagmorgen von dem saudischen Außenministerium veröffentlichten Erklärung brachte Macron in dem Telefonat mit dem Kronprinzen die Solidarität seines Landes mit Saudi-Arabien zum Ausdruck und verurteilte die seiner Ansicht nach wiederholten Angriffe Irans auf das Königreich. Macron bekräftigte die Unterstützung Frankreichs für die von Riad ergriffenen Maßnahmen zur „Sicherung seiner Souveränität, Sicherheit und territorialen Integrität“. (ap)

Iran droht mit Angriffen auf für US-Militär relevante Kraftwerke

Die wechselseitigen Drohungen zwischen Iran und den USA um Angriffe auf wichtige Infrastruktur reißen nicht ab. Am Montag kündigte Iran an, Kraftwerke ins Visier nehmen zu wollen, die US-Militärstützpunkte mit Strom versorgen. Das iranische Staatsfernsehen veröffentlichte am Montagmorgen eine entsprechende Erklärung der paramilitärischen Revolutionsgarde.

Demnach wolle Iran im Falle eines US-Angriffs Vergeltungsmaßnahmen ergreifen und „Kraftwerke des Besatzungsregimes sowie Kraftwerke regionaler Länder, die US-Stützpunkte versorgen, ins Visier nehmen“, wobei Israel als „Besatzungsregime“ bezeichnet wurde. Auch für die Wirtschaft, Industrie und Energieversorgung relevante Infrastruktur, an der US-Amerikaner beteiligt seien, solle angegriffen werden. „Zweifelt nicht daran, dass wir dies tun werden“, hieß es weiter.

US-Präsident Donald Trump hatte in der Nacht zum Sonntag eine Frist von 48 Stunden gesetzt, innerhalb der die Blockade der Straße von Hormus aufgehoben werden müsse. Andernfalls wollten die USA iranische Kraftwerke angreifen. Daraufhin teilte Teheran mit, dass die Meerenge sofort „komplett geschlossen“ werde, sollten die USA ihre Drohungen wahrmachen. (ap)

Golfstaaten melden erneut Angriffe auf ihre Territorien

Mehrere Golfstaaten haben erneut Angriffe auf ihre Territorien gemeldet. Das saudi-arabische Verteidigungsministerium erklärte am Montagmorgen, zwei Marschflugkörper im Anflug auf die Hauptstadt Riad entdeckt zu haben. Eine Rakete sei abgefangen worden, die andere sei in unbewohntem Gebiet abgestürzt.

Das Verteidigungsministerium der Vereinigten Arabischen Emirate erklärte, die Streitkräfte des Landes „reagieren derzeit auf eingehende Raketen- und Drohnenbedrohungen aus Iran“. Wenige Stunden zuvor hatten die Behörden im emiratischen Abu Dhabi gemeldet, dass ein indischer Staatsbürger durch herabfallende Trümmer eines abgefangenen Marschflugkörpers verletzt worden sei.

In Bahrain waren derweil Luftschutzsirenen zu hören. Das bahrainische Innenministerium wies die Bürgerinnen und Bürger des Landes in Onlinediensten auf, „Ruhe zu bewahren und sich zum nächstgelegenen sicheren Ort zu begeben“.

Die USA und Israel hatten am 28. Februar mit Luftangriffen den Iran-Krieg begonnen. Teheran reagiert seitdem mit Raketen- und Drohnenangriffen auf Israel sowie auf mehrere Golfstaaten und US-Einrichtungen in der Golfregion. Unter anderem beschoss die iranische Seite Ölanlagen in mehreren Ländern der Golfregion sowie Öltanker. (afp)

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