Nach der Bund-Länder-Runde zu Corona : Jugendliche sind die Verlierer
Für Jugendliche gelten die gleichen Einschränkungen wie für Erwachsene, die sich nicht impfen lassen wollen – das ist ungerecht.
E s ist ein inzwischen leider längst zur Gewohnheit gewordenes Fazit nach Treffen der Ministerpräsident:innen mit Bundeskanzlerin Merkel: Kinder und Jugendliche sind zu den Verlierern der Debatten der Politiker:innen geworden – wieder einmal. So gelten für Kinder und Jugendliche, für die es keine Impfempfehlung durch die Stiko oder gar noch keinen zugelassenen Impfstoff gibt, die gleichen Einschränkungen wie für Erwachsene, die sich nicht impfen lassen wollen.
Kinder bis 12 Jahren haben nicht einmal die Wahl, sich impfen zu lassen – 14 Tage in Quarantäne, ohne Möglichkeit zur vorzeitigen Freitestung, müssen sie auch dann ertragen, wenn sie symptomlos sind, aber einer infizierten Person vermeintlich zu nahe gekommen sind.
Auch von regelmäßigen Tests sind Kinder und Jugendliche nicht ausgenommen. Weiterhin werden Schulen der einzige Ort sein, an dem eine ganze Bevölkerungsgruppe ungeachtet ihrer Symptomatik regelmäßig getestet wird. Verpflichtende regelmäßige Tests bei Erwachsenen, am Arbeitsplatz, hat es nie gegeben. Während also an der Schultür der Impfstatus deutlich gemacht wird (nur wer geimpft oder genesen ist, braucht sich nicht testen zu lassen), dürfen sich Erwachsene weiter ihrer Verantwortung entziehen.
Die einfache Frage, ob das Kita-Personal jetzt durchgehend geimpft sei, wird genauso entschieden als unangemessen zurückgewiesen wie die Frage, warum es keine Testpflicht für Arbeitnehmer:innen in Präsenz gibt. Schließlich sei das ja bei Arbeitnehmer:innen erstens nicht verhältnismäßig, zweitens sei der Aufwand zu hoch und für den Arbeitgeber nicht zumutbar, und dann gibt es ja drittens noch das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Aber mit Kindern und Jugendlichen kann man das machen.
Heike Riedmann und Tobias Oelbaum sind SprecherInnen der „Initiative Familien“. Der Verein ist in diesem Jahr aus der Fusion von „Familien in der Krise“ und „Kinder brauchen Kinder“ hervorgegangen.
Es macht uns fassungslos, dass nach 18 Monaten Pandemie Kinder und Jugendliche immer noch zum Schutz von Menschen eingeschränkt werden, die sich längst hätten impfen lassen können. Es läuft hier gewaltig etwas schief, wenn Kinder Erwachsene schützen – eigentlich sollte es genau umgekehrt sein.
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