Nach dem Finale von „Princess Charming“: Wider den Beziehungskitsch

Die erste lesbische Datingshow der Welt endet ohne Liebespaar – und das ist auch gut so.

Eine brünette Frau mit langen Haaren steht lächelnd vor einem Haus in Griechenland

Irina Schlauch war die erste „Princess Charming“. 20 Frauen haben in der Datingshow um sie gekämpft Foto: Rene Lohse/TVNOW/dpa/picture alliance

Nichts mit Liebe! Die „Princess Charming“ und ihre Auserwählte aus der ersten lesbischen Datingsendung der Welt sind nicht als Paar vom Dreh in Griechenland zurückgekehrt. Das haben Irina und Lou beim „Großen Wiedersehen“ der „TV Now“-Show verkündet – und das ist eine gute Nachricht.

Finalistin Lou erklärt es so: „Jedes Gefühl erlebt man verhundertfacht.“ Damit beschreibt sie genau die Albernheit, die bei Datingshows mitschwingt. In einer konstruierten Situation soll unter Konkurrenzdruck eine monogame Verbindung entstehen, die am besten für immer hält.

Manch ei­ne:r wird sich schon beim „Bachelor“ gefragt haben, ob das wirklich eine stabile Basis für eine Beziehung ist. Überträgt man aber dieses altmodisch-heteronormative Datinggerüst auf andere Identitäten und Sexualitäten, dann passieren spannende Sachen.

Das Realitygenre scheint sich neuerdings in drei Zweige aufzuspalten. Sendungen, wie „Promis unter Palmen“ oder „Das Sommerhaus der Stars“ glänzen mit Alkoholmissbrauch und Mobbing in der Kategorie „Vor keiner Ethikkommission vertretbar“. Dann gibt es solche, die eine gewisse Tiefe vorgeben: In „Love is Blind“ oder „Sexy „Beasts“ sollen sich Menschen aufgrund ihrer Persönlichkeit verlieben – aber alle sind normschön und heterosexuell.

Reale Gefühle sind eben verwirrend

Und dann gibt es „Princess Charming“: Wo Klugheit, Mitgefühl und die Komplexität menschlicher Beziehungen das plumpe Konzept Datingshow so kraftvoll überstrahlen, dass auch die letzte Person, die meint, dass Unterhaltung und Anspruch nur getrennt gingen, endlich etwas gecheckt haben müsste.

Die Frauen* von Princess Charming haben komplett die Sendung übernommen. Sie haben wichtige Gespräche über Gender geführt. Sie haben die lesbische Community repräsentiert und so etwas von Bedeutung geschaffen. Warum sollen Irina und Lou dann noch auf den Beziehungskitsch eines Privatsenders reinfallen? Das passt nicht zu ihrem Stil.

Lou sagte beim „Großen Wiedersehen“: Ihre Gefühle für Irina seien „freundschaftlich platonisch, obwohl da eine körperliche Anziehung war.“ Keine Ahnung, was das bedeutet. Aber reale Gefühle sind eben verwirrend. Sie lassen sich nicht in „Rose – keine Rose“ einteilen.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de