Nach Urteil im Köthen-Prozess: Nazi-Demo gegen Gerichtsbeschluss
300 Rechte ziehen nach dem Gerichtsurteil gegen zwei jugendliche Angeklagte durch Köthen. Das Bündnis „Dessau Nazifrei“ mobilisierte 20 Gegendemonstranten.
dpa | Nach dem Urteil im Prozess um den Tod eines 22-Jährigen sind in Köthen Rechte und Gegendemonstranten auf die Straße gegangen. Laut Polizei folgten am Sonntagabend in der Spitze bis zu 300 Menschen einem Protestmarsch gegen die Gerichtsentscheidung. Im Internet war zuvor unter dem Motto „Für Gerechtigkeit – gegen Kuscheljustiz mit Tottretern und Messermännern“ mobilisiert worden. Köthens Oberbürgermeister Bernd Hauschild machte nach eigenen Aussagen 70 bis 80 bekannte Rechtsextreme unter den Teilnehmern der Demo aus.
Zu einer Gegendemonstration des Bündnisses „Dessau Nazifrei“ kamen laut einer Polizeisprecherin etwas mehr als 20 Teilnehmer. Beide Veranstaltungen seien friedlich abgelaufen, sagte sie.
Der schwer herzkranke 22-Jährige war am 8. September 2018 bei einem nächtlichen Streit auf einem Spielplatz gestorben. Laut Rechtsmedizin erlag er einem Herzinfarkt. Am Freitag war am Landgericht Dessau-Roßlau das Urteil gegen den 17-jährigen Angeklagten und einen 19-jährigen Mitangeklagten aus Afghanistan gefallen. Beide wurden zu Haftstrafen unter zwei Jahren verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.
Der Tod sei kein bloßer Unfall gewesen, sondern durch eine Körperverletzung fahrlässig verursacht worden, hieß es. Der Fall hatte bereits in der Vergangenheit rechtsgerichtete Demonstrationen und Gegenproteste ausgelöst.
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