Nach Strafsteuer-Initiative: Einige AIG-Manager knicken ein
Viele der in den USA ansässigen Manager des Finanzkonzerns AIG geben nach dem öffentlichen Druck ihre Boni zurück. Allerdings nicht die im Ausland tätigen Manager.
WASHINGTON afp/dpa/ap Nach heftiger Kritik der Öffentlichkeit will eine Reihe führender Manager des schwer angeschlagenen US-Versicherungsriesen AIG ihre Boni zurückzahlen. Neun der zehn Manager mit den höchsten Zulagen hätten sich zur Rückzahlung bereit erklärt, von den Top 20 wollten 15 ihre Boni nicht behalten, teilte der New Yorker Staatsanwalt Andrew Cuomo am Montag mit.
Nach Cuomos Schätzungen entspricht dies einem Betrag von 50 Millionen Dollar. Er rechnet damit, dass noch weitere Manager freiwillig verzichteten - dann könnte etwa die Hälfte der Boni zurückfließen.
Cuomo betonte aber, dass viele Begünstigte sich geweigert hätten, das Geld zurückzugeben. Darunter seien viele Empfänger außerhalb der USA. Mehr als 400 AIG-Mitarbeiter hätten Prämien bekommen.
Die New York Times hatte zuvor berichtet, vor allem Manager aus der Sparte für Finanzprodukte wollten auf umstrittene Boni in Höhe von 30 Millionen Euro verzichten. Die Sparte gilt als hauptverantwortlich für die hohen Verluste des einstmals weltgrößten Versicherungskonzerns, den die Regierung mit Steuergeldern in Höhe von etwa 180 Milliarden Dollar vor der Pleite bewahrte.
Dass von den Geldern Mitte März noch mindestens 165 Millionen Dollar an Manager-Boni ausgezahlt wurden, hatte in den USA einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Das Repräsentantenhaus erließ in der vergangenen Woche eine 90-prozentige Strafsteuer für Manager von Unternehmen, die Staatshilfe erhalten. Die Zustimmung des US-Senats zu der Gesetzesvorlage gilt allerdings als fraglich.
Staatsanwalt Cuomo bedankte sich bei den rückzahlungswilligen Managern für ihre Einsicht. Diese hätten richtig gehandelt und "dem Land gegeben, was es braucht".
AIG hatte Anfang März bekanntgegeben, am Ende des vergangenen Jahres den größten Verlust der US-Wirtschaftsgeschichte gemacht zu haben. Das Unternehmen verlor im vierten Quartal 2008 rund 61,7 Milliarden Dollar (rund 49 Milliarden Euro). Für das gesamte vergangene Jahr beläuft sich der Verlust auf knapp 100 Milliarden Dollar.
US-Finanzminister Timothy Geithner muss am Dienstag in der Affäre um Bonus-Zahlungen bei AIG im US-Repräsentantenhaus Rede und Antwort stehen. Kritiker halten Geithner unter anderem vor, er hätte die Zahlungen verhindern müssen. Der Staat hält immerhin inzwischen 80 Prozent der AIG-Anteile.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert