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Nach Northvolt-PleiteBatteriefabrik in Schleswig-Holstein kommt, aber kleiner

US-Firma Lyten baut die Batteriefabrik im deutschen Norden. Aber nur mit einem Drittel der ursprünglich geplanten Arbeitsplätze.

Das Fabrikgelände in Schleswig-Holstein: Hier könnten 1.000 Jobs entstehen Foto: Chris Emil Janssen/imago

Nahe der Kreisstadt Heide will die US-Firma Lyten eine Batteriefabrik bauen. Das erklärte ihr Chef Dan Cook bei einem Besuch in Schleswig-Holstein. Nach einem Besuch des Baugeländes traf er sich am Dienstag mit Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und anderen Mitgliedern der schwarz-grünen Landesregierung in Kiel.

Lyten hatte das Gelände nach der Insolvenz der schwedischen Firma Northvolt übernommen, doch bisher fehlten Einzelheiten der geplanten Maßnahmen. Nun erklärte Cook, dass rund 1.000 Arbeitsplätze entstehen könnten – Northvolt hatte noch mit 3.000 gerechnet.

Die US-Firma will den Standort nicht nur für die Batterieproduktion nutzen, sondern auch ein Rechenzentrum und KI-Projekte ansiedeln. Nach ersten Berichten sollen anstelle herkömmlicher Lithium-Ionen-Batterien solche mit Lithium-Schwefel-Technik produziert werden. Da sie leichter sind, könnten sie unter anderem in Flugzeugen und Raumschiffen, aber auch in Drohnen und Satelliten verwendet werden. Der Bau könnte 2027 starten.

Daniel Günther zeigte sich nach dem Gespräch zuversichtlich. Die Landesregierung werde Lyten unterstützen, etwa bei Fragen der Energieversorgung, sagte Günther bei einem Pressestatement. Northvolt hatte den Standort auf der grünen Wiese ausgesucht, weil es dort reichlich günstigen Windstrom gibt.

Saubere Batterien für eine Million Autos

Mit dieser Energie und einem nachhaltigen Wasserkonzept wollte Northvolt in der geplanten Gigafabrik die „saubersten“ Batterien der Welt bauen, die rund eine Million E-Autos im Jahr hätten versorgen können. Schleswig-Holstein, der Bund und die EU unterstützten das Prestigeprojekt mit Fördermitteln und Darlehen in dreistelliger Millionenhöhe. Das Geld dürfte nach der Unternehmenspleite größtenteils verloren sein. Dan Cook sagte, derzeit gehe Lyten davon aus, die notwendigen Investitionen in Schleswig-Holstein mit privatem Kapital zu stemmen, also kein weiteres Geld zu benötigen.

„Lytens Mission ist es, der führende Anbieter von sauberen, lokal bezogenen und lokal hergestellten Batterien und Energiesystemen in Nordamerika und Europa zu sein“, heißt es auf der Website des Unternehmens, das 2015 gegründet wurde. Nach dem Aus von Northvolt hatte Lyten zugesagt, die Standorte übernehmen zu wollen – doch bis zum Vertragsabschluss dauerte es länger, als zunächst vorgesehen. Das Projekt erlitt einen Dämpfer, als 2025 die Regierung der kanadischen Provinz Quebec verkündete, sie wolle nicht weiter in eine ehemalige Northvolt-Baustelle Geld investieren.

Opposition hat Landesverfassungsgericht eingeschaltet

Für die schwarz-grüne Landesregierung in Kiel ist die Ansiedlung der Batteriefabrik eine wichtige Etappe auf ihr Ziel, Schleswig-Holstein bis 2040 in ein klimaneutrales Industrieland zu transformieren. Landeswirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) hatte bereits im vergangenen Jahr bei einem Besuch in den USA mit Lyten verhandelt.

In Schleswig-Holstein sieht vor allem die Landtags-Opposition das Thema kritisch. Mehrere Abgeordnete sehen ihre Rechte verletzt, weil die Regierung ihnen vor den Entscheidungen zu wenig Informationen gegeben habe. Das Landesverfassungsgericht verhandelt Ende März darüber.

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