piwik no script img

NOlympia-Initiative in HamburgAufklären über Risiken und Nebenwirkungen

Im Mai stimmt Hamburg über eine Olympia-Bewerbung ab. Jetzt ist die Geg­enkampagne gestartet. Bis Ende Februar will sie 10.000 Stimmen sammeln.

Wollen den Stadtschlüssel nicht an das Olympische Komittee abgeben: NOlympia-Sprecher:innen Clara Ihring und Eckart Maudrich Foto: Daniel Bockwoldt/dpa

Nun läuft sich auch die Gegenseite warm: Seit Monaten tingelt schon die 9 Millionen Euro teure städtische Projektgruppe durch Hamburg, um für die Ausrichtung der Olympischen und Paralympischen Spiele zu werben. Am Dienstag ging auch die Initiative „NOlympia Hamburg“ an den Start.

„Wir wollen über die Risiken und Nebenwirkungen einer Hamburger Bewerbung aufklären, die die Stadt gerne verschweigt“, sagte Clara Ihring bei der Vorstellung der Gegenkampagne. Ihr erstes Ziel: Bis Ende Februar 10.000 Unterschriften sammeln.

Damit will man sich einen Platz als Gegenstimme in den Wahlunterlagen zum Bewerbungsreferendum Ende Mai sichern.„Fairplay? Teamgeist? Nachhaltigkeit? Transparenz? Alle diese Versprechen können wir bei der Ausrichtung Olympischer Spiele leider nicht erkennen“, sagte Ihrings Co-Sprecher Eckart Maudrich am Dienstag bei der Vorstellung einer achtseitigen Broschüre.

In der hat das NOLympia-Bündnis die Argumente gegen eine Bewerbung zusammengefasst. „Zuletzt hat Olympia in Paris gezeigt, dass dem Gewinn des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) in Höhe von 1 Milliarde Euro die Kosten für die öffentliche Hand von rund 6 Milliarden Euro gegenüberstanden.“

Die Olympischen Spiele der vergangenen Jahrzehnte zeigen: Die Mieten werden sich dadurch spürbar verteuern

Eckart Maudrich, NOlympia-Aktivist

Selbst wenn der Bund die Hälfte der Kosten übernähme, würden für Hamburg immer noch 3 Milliarden Euro anfallen. „Dabei hat der Finanzsenator schon erklärt, dass schon jetzt kaum mehr finanzieller Spielraum für zusätzliche Kosten zur Verfügung steht“, sagte Maudrich.

Doch nicht nur die Kosten sind den Olym­pia­geg­ne­r:in­nen ein Dorn im Auge: „Die Olympischen Spiele der vergangenen Jahrzehnte zeigen: Die Mieten werden sich dadurch spürbar verteuern“, so Maudrich. Zudem widerspreche eine Durchführung dem Hamburger Anspruch, bis 2040 klimaneutral zu sein.

All diese Kritik will die Initiative in den kommenden Monaten bis zum 31. Mai anführen. Dann können die Hamburger Wahlberechtigten darüber abstimmen, ob sich die Stadt für die Ausrichtung Olympische Spiele im Zeitraum von 2036 bis 2044 bewerben soll – oder eben nicht.

Hamburgs zweites Referendum

Die Durchführung dieses Bürgerschaftsreferendum wird am Mittwoch vom städtischen Parlament beschlossen. Es wird damit das zweite seiner Art in der Geschichte Hamburgs. Schon 2015 wollte sich die regierende Koalition aus SPD und Grünen für die Ausrichtung bewerben, aber zuvor die Rückendeckung bei den Wäh­le­r:in­nen holen.

Entgegen den Plänen von Olaf Scholz (SPD) und seinem Senat gewannen jedoch die NOlympionik:innen. „Daran wollen wir natürlich anknüpfen“, sagt Maudrich.

Bei einer solchen Abstimmung ist vorgegeben, dass den Wahlberechtigten neben den Wahlunterlagen auch ein Informationsheft zugesandt wird. Auf acht Seiten darf dort der Senat eine Stellungnahme abgeben. Ebenso stehen der Bürgerschaft acht Seiten zur Verfügung, erklärt der Hamburger Wahlleiter Oliver Rudolf.

Weil neben dem rot-grünen Senat auch die CDU-Bürgerschaftsfraktion für Olympia ist, erwarten die NOlympia-Aktivist:innen auf diesen 16 Seiten allzu einseitige Informationen. Deshalb geht es für sie nun erst einmal darum, ebenfalls einen Platz im Informationsheft zu erhalten.

Unterschriftensammlung startet

„Diese Möglichkeit besteht, sofern eine Initiative innerhalb von drei Wochen 10.000 Unterschriften gesammelt hat“, erklärt Landeswahlleiter Rudolf. „Darauf bereiten wir uns als Initiative nun vor“, sagt Maudrich. Am 30. Januar soll die Unterschriftensammlung starten.

Sofern sich der rot-grüne Senat mit seiner Position durchsetzt, wird aber auch nach dem Referendum im Mai noch unklar bleiben, ob der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) Hamburg in den internationalen Bewerbungswettkampf um die Ausrichtung schickt.

Berlin, München und das Ruhrgebiet haben ebenfalls Ambitionen. In München hatten sich bereits zwei Drittel der Wäh­le­r:in­nen bei einer Abstimmung im Oktober für eine Bewerbung ausgesprochen.

Gemeinsam für freie Presse

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

0 Kommentare