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Myanmars Grenze zu ChinaDutzende Tote bei Explosion in Rebellengebiet

An Myanmars Grenze zu China explodiert ein Depot mit Sprengstoff, der für den Bergbau bestimmt gewesen sein soll. Rebellen gehen von Unfall aus.

Zerstörung im Dorf Kaungtup in der Gemeinde Namhkam in Myanmars nordöstlichem Shan-Staat Foto: Palaung Land/AP/dpa

Im Norden von Myanmars Shan-Staat sind am Sonntag bei der Explosion eines Sprengstoffdepots Dutzende Menschen getötet worden. Die Explosion ereignete sich im Dorf Kaungtup bei der Stadt Namhkan gegen 12 Uhr Mittags. Das berichteten lokale Medien unter Berufung auf eine Erklärung der das Gebiet kontrollierenden „Ta'ang National Liberation Army“ (TNLA).

Angaben über die Zahl der Toten machte die ethnische Rebellenmiliz nicht. Lokale Retter, die anonym bleiben wollten, sprachen von 46 bis 59 Toten. Darunter sollen sechs Kinder und drei Chinesen sein. Mehr als 70 Personen wurden verletzt in das Krankenhaus von Namhkan eingeliefert.

Der Explosionsort ist drei Kilometer von der chinesischen Grenze entfernt. Von Chinas Grenzstadt Ruili (Provinz Yunnan) aus waren hohe Rauchwolken zu sehen. Laut TNLA soll aus bisher ungeklärter Ursache für den Gebrauch im Bergbau und Steinbrüchen gelagerte Sprenggelatine explodiert sein. Dieser Plastiksprengstoff besteht aus Nitroglycerin, Kollodiumwolle, Holzmehl und Nitraten.

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Die TNLA versprach eine Untersuchung der Katastrophe, geht aber von einem Unfall aus. In Kaungtup sollen 200 Häuser und damit die Hälfte aller Gebäude zerstört worden sein, im Nachbardorf weitere 100 Häuser. Laut lokalen Medien hielten Bewohner die Explosion zunächst für einen Luftangriff des Militärs. Bisher gibt es weder Erkenntnisse über militärische Ursachen noch über die Explosion gelagerter Munition.

Für den Bergbau gelagerter Sprengstoff soll explodiert sein

In vielen Regionen Myanmars suchen sowohl Milizen der Rebellen als auch des Militärs unter Einsatz von Sprengstoff nach Edelsteinen und seltenen Erden. Diese werden dann meist nach China verkauft und dienen als sogenannte Konfliktmineralien zur Finanzierung des Bürgerkriegs.

Die TNLA ist der bewaffnete Arm der „Palaung State Liberation Front“. Palaung ist eine überwiegend buddhistische ethnische Minderheit, die in Myanmars Shan-Staat, Chinas Yunnan-Provinz Yunnan und in Nordthailand beheimatet ist. Die TNLA entstand bei Spaltungen früherer Palaung-Milizen, die gegen Myanmars (damals Birmas) Militärdiktatur 1967 den bewaffneten Kampf aufnahmen.

Seitdem wechseln sich Waffenstillstände mit bewaffneten Kämpfen ab. Nach dem letzten Militärputsch 2021 schloss sich die TNLA dem bewaffneten Widerstand an und startete 2023 mit zwei anderen Rebellenorganisationen samt chinesischer Duldung die „Operation 1027“.

Unter Druck Chinas

Die Junta erlitt zunächst große Geländeverluste. Im Shan-Staat nahm die TNLA die Stadt Namhkhan ein, die sie bis heute kontrolliert, ebenso lukrative Grenzübergänge nach China. Doch dann setzte sich in Peking der Glaube durch, dass Chinas Interessen bei der Junta leichter durchzusetzen seien als bei den divergierenden Rebellengruppen. 2025 zwang Peking die TNLA zu Abtretungen eroberter Gebiete und Grenzposten und schließlich zu einem Separatfrieden mit der Junta.

Als der bisherige Juntachef, General Min Aung Hlaing, sich im vergangenen April vom frisch gewählten militärnahen Parlament zum Präsidenten küren ließ, überraschte die TNLA zur Verwunderung vieler mit öffentlich geäußerten Glückwünschen. Seitdem hat das Militär weitere Geländegewinne erzielt.

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