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Muss Europa deutsch werden? Antwort 5 Der Grüne Riese

Bernhard Pötter

Kommentar von

Bernhard Pötter

Wir sind die Superaussteiger, wenn es um die falsche Energiequelle geht. Aber ohne Verbündete geht nichts.

N a klar!", ist die erste Reaktion. Atomausstieg, erneuerbare Energien, der Grüne Punkt und das allgemeine Umweltbewusstsein machen Deutschland zum Grünen Riesen in der EU. In der Tat: Teilweise sind wir Vorreiter in Ökofragen, nicht zuletzt aus ökonomischen Eigeninteresse als Hightech-Exportnation. Gespannt blicken Länder wie China nach Deutschland, um zu sehen, ob wir den Doppelausstieg aus Atom und Kohle als Industrieland überleben.

Aber sind wir ein grünes Vorbild für Europa? Am ehesten noch, was die Stärke der Umweltbewegung und der Greentechindustrie angeht. Am wenigsten in der Politik: In Brüssel kämpft Berlin oft genug für das alte Agrarsystem, für die Interessen von BMW und Mercedes und für die deutsche Chemieindustrie - alles zulasten von grünen Lösungen. Wir haben einen ordentlichen Teil unserer Erfolge beim Klimaschutz dem Mauerfall zu verdanken und der Auslagerung von dreckiger Industrie in Schwellenländer.

Was Naturschutz angeht, so liegen wir als dicht besiedeltes Land voller Autobahnen und Flugrouten weit hinter Staaten wie Polen zurück.

Die Frage für 2012

Muss Europa deutsch werden? Diese Frage stellten wir anlässlich des Euro-Gerangels der vergangenen Monate acht handverlesenen Autoren der taz. Sie geben die Antwort auf die wichtigste Frage für das Jahr 2012. Guten Rutsch!

Und in der Klimapolitik könnte sich die Isolation der Briten in der EU durch den Streit um die Finanzpolitik als fatal erweisen. Denn die Achse Berlin-London ist die treibende Kraft der EU-Klimapolitik. Anders als Frankreich, Italien oder Spanien eint uns mit Großbritannien der ernsthafte Wille zum Klimaschutz.

London hat eine ehrgeizige Klimapolitik, ein strenges Klimagesetz und einen Sir Nicolas Stern, der Klimapolitik auch der Wirtschaftselite verkauft.

London verfügt über große diplomatische Erfahrung, internationalen Einfluss und eine gesunde Skrupellosigkeit, die bei Verhandlungen manchmal nötig ist. Wenn der Verlust der Briten also der Preis für ein "grüneres" Europa ist, dann ist er eindeutig zu hoch.

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Bernhard Pötter

Bernhard Pötter Redakteur für Wirtschaft und Umwelt

Jahrgang 1965. Seine Schwerpunkte sind die Themen Klima, Energie und Umweltpolitik. Wenn die Zeit es erlaubt, beschäftigt er sich noch mit Kirche, Kindern und Konsum. Für die taz arbeitet er seit 1993, zwischendurch und frei u.a. auch für DIE ZEIT, WOZ, GEO, New Scientist. Autor einiger Bücher, Zum Beispiel „Tatort Klimawandel“ (oekom Verlag) und „Stromwende“(Westend-Verlag, mit Peter Unfried und Hannes Koch).
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3 Kommentare

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  • W
    Whatthef****

    Huh? Das sogenannte Groß-Britannien als Vorreiter von Green Thinking? Hat der Autor nur die Windenergiestatistiken gelesen?

     

    Nur mal so zur Erinnerung:

     

    http://www.guardian.co.uk/environment/2008/jan/10/nuclearpower.energy?INTCMP=SRCH

     

    ...die timeline der englischen Nuklearpolitik.

     

    *kopfschüttel

  • S
    saalbert

    "... nicht zuletzt aus ökonomischen Eigeninteresse." - Rettet dem Dativ: ökonomischem!

  • B
    Blödsinn

    Ernsthafter Willen zum Klimaschutz heisst schon seit 15 Jahren sofortiges Auto-, Schiff- und Flugzeugverbot. Alles andere ist Klimafaschismus und Vertreibung von Millionen, ganz abgesehen davon, daß ein Staat ohne eigene Rohstoffe schlichter Imperialismus ist.