Musik zum 1. Mai in Bosnien: Kultband legt Maisong neu auf

In Bosnien ist der 1. Mai einer der wichtigsten Feiertage – doch nun sind alle im Hausarrest. Dubioza Kolektiv hat dafür den perfekten Song.

Brano Jakupovic von der bosnischen Band Dubioza Kolektiv singt in die Kamera

Dubioza Kolektiv halten ein wöchentliches Quarantäne-Konzert ab – hier am 7. April Foto: Dubioza Kolektiv/reuters

SPLIT taz | Die bosnische Kultband „Dubiosa Kolektiv“ will die Menschen in Sarajevo am Kampftag der Arbeiterklasse nicht im Corona-Regen stehen lassen. Sie musizieren auf dem Balkon und in der Küche für die Bosnier – mit allem, was die sonst auch zum 1. Mai mögen: Fleisch und Gemüse vom Grill, dazu einen Schluck Schnaps, fast so wie sonst.

In Bosnien ist der 1. Mai immer noch einer der wichtigsten Feiertage. In den letzten Jahren war der 1. Mai für die meisten Menschen zwar nicht mehr unbedingt der Kampftag der Arbeiterklasse. Stattdessen ist es eine Gelegenheit, mit Kind und Kegel in die Berge zu ziehen und sich auf den blühenden Wiesen niederzulassen. Freundeskreise trafen sich damals, in der Vor-Corona-Zeit, grillten, tranken Bier und Schnaps, musizierten und machten sich über die jeweils Herrschenden lustig.

In dem Song „ Sretan 1.Maj!“ nehmen die Musiker die jetzige Situation aufs Korn. „Die Polizei kontrolliert, ob alle die Selbstisolation einhalten; müssen wir uns draußen sozial distanzieren, drinnen mit Bier und Schnaps desinfizieren...“ Sie singen über die Proletarier, die jetzt auf dem Balkon feiern müssen, und denen nichts übrig bleibt, als Bella Ciao aus dem Fenster zu rufen. „Wir gehen nicht zur Olympiade, wir gehen nicht zur Gay-Parade.... wir sinken schneller als die Titanic...die Arbeiterklasse kommt in den Himmel... trinken wir auf die Quarantäne.“

Die Gründungsmitglieder von Dubioza Kolektiv stammen alle selbst aus Arbeiterverhältnissen und erregen seit ihrer Gündung 2003 immer wieder Aufsehen wegen ihrer kritischen politischen Texte. Als sie am European Song Contest teilnehmen wollten, sollten sie unterschreiben, keinen politischen Text zu verwenden. Sie lehnten ab.

Unverkennbar bosnisch

Die Gruppe, die in Sarajevos Kulturszene verankert ist, ist zu einer der beliebtesten Gruppen auf dem Balkan aufgestiegen. Es sind zwar neue Mitglieder hinzu gekommen, aus Kroatien und aus Serbien, aber Dubioza Kolektiv bleibt unverkennbar bosnisch. Die Texte sind voller Witz, auch Verletztheit und Tiefe. Ihr Musikstil basiert auf Elementen von Hip-Hop, Reggae, Rock, Punk, aber grundlegend ist doch die Balkan-Musik mit ihrem Rhythmus und Instrumenten.

Eigentlich sollte die Gruppe jetzt auf Deutschlandtournee sein. Stattdessen hat die vor 17 Jahren gegründete Gruppe ihren 1. Mai Song von 2013 (Prvi Maj) neu aufgelegt – mit Corona-Text und auf dem Balkon.

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