Mox-Transporte im Visier: „Relativ ungefährliches Material“
Norddeutschland stehen mehrere Atomtransporte bevor. Hamburgs Umweltbehörde verharmloste die Risiken
HAMBURG taz | Die Hamburger Umweltbehörde hat die Gefahr, die von den noch für diese Woche durch Norddeutschland geplanten Atomtransporten ausgeht, heruntergespielt. So erklärte Behördensprecher Volker Dumann in einem Fernsehbeitrag des Norddeutschen Rundfunks (NDR): „Man braucht dazu noch nicht mal besondere Transportbehälter, weil es eben relativ ungefährliches Material ist.“
Das aber ist so nicht richtig: Sogenannte Mox-Brennelemente, wie sie dieser Tage aus Belgien kommend durch Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein nach Brokdorf transportiert werden, dürfen nur in speziell getesteten Hochsicherheitsbehältern befördert werden.
„Diese Behälter müssen den Auswirkungen selbst schwerster Unfälle standhalten“, antwortete die Bundesregierung auf eine entsprechende Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hin. Demnach müssen die Transportbehälter einen Sturz aus neun Metern Höhe auf ein Betonfundament unbeschadet überstehen, oder auch ein halbstündiges Feuer sowie weitere Spezialprüfungen.
Die Hamburger Behörde sage „die Unwahrheit“, sagt daher Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Initiative „ausgestrahlt“: „Für Transporte plutoniumhaltiger Mox-Elemente müssen die teuersten und stabilsten Transportbehälter benutzt werden, die es gibt.“
Auch Volker Dumann bestätigt auf Nachfrage, dass die nun verwendeten Transportbehälter „sehr aufwendig konstruiert“ und „auf Fallhöhen von neun Metern und Temperaturen von mehreren hundert Grad ausgelegt“ seien. Trotzdem, so Dumann, stellten sie „im Vergleich zu den Castoren eine bessere Industrieverpackung dar – und in diesem Umfeld ist meine Äußerung zu verstehen“.
Das für die Transportgenehmigung zuständige Bundesamt für Strahlenschutz unterscheidet da allerdings nicht: Castoren wie Transportbehälter für Mox-Elemente gehören beide derselben Sicherheitskategorie an. Das in den Mox-Elementen kiloweise enthaltene Plutonium gilt als sogenanntes „Ultragift“: Schon das Einatmen mikroskopisch kleiner Mengen löst Lungenkrebs aus. Deshalb dürfe Plutonium, so die amtlichen Strahlenschützer, „keinesfalls in die Umwelt gelangen“.
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