Mord an Italiener Giulio Regeni: Prozess gegen Ägypter eingestellt

Der Vorfall belastet seit Jahren das Verhältnis von Rom zu Kairo. Nun wurde der Prozess wegen des Mordes am Studenten Giulio Regeni eingestellt.

Die Familie und die Anwältin (zweite von links) des getöteten Studenten Regeni

Enttäuscht: Die Familie und die Anwältin (2.v.l.) des getöteten Studenten Regeni Foto: Andrew Medichini/dpa

ROM afp | In Italien ist ein Prozess gegen vier ägyptische Sicherheitsbeamte wegen des Mordes an dem italienischen Doktoranden Giulio Regeni eingestellt worden. Die Richter entschieden am Donnerstag, dass die Verhandlung nicht in Abwesenheit der vier Beschuldigten stattfinden könne, da die Staatsanwaltschaft nicht in der Lage gewesen sei, diese offiziell darüber in Kenntnis zu setzen.

Für die Familie des vor fast sechs Jahren getöteten Studenten sei dies eine „bittere“ Enttäuschung, sagte deren Anwältin Alessandra Ballerini. „Es ist ein Rückschlag, aber wir werden nicht aufgeben.“

Den Ägyptern wird Entführung, Verschwörung zum Mord und schwere Körperverletzung vorgeworfen. Regeni, der an der britischen Universität Cambridge promovierte, war am 25. Januar 2016 in Kairo verschwunden. Neun Tage später wurde er am Rand einer Autobahn aufgefunden. Seine Leiche wies schwere Folterspuren auf. Regeni forschte in Kairo zu ägyptischen Gewerkschaften – in dem nordafrikanischen Land ein brisantes Thema.

Die Angeklagten befinden sich nicht in Italien und die ägyptische Regierung hatte sich geweigert, ihre Kontaktdaten mitzuteilen. Laut den Gerichtsunterlagen handelt es sich um General Tarik Sabir, die Oberstleutnants Athar Kamel und Uhsam Helmi sowie den Major Magdi Ibrahim Abdelal Scharif.

Verdacht fällt auf ägyptischen Geheimdienst

Im Mai hatte ein Richter in einer Voranhörung entschieden, dass die Berichterstattung über die Ermittlungen gegen die Beschuldigten diese erreicht haben müsste. Dieser Auffassung schloss sich das Gericht am Donnerstag jedoch nicht an.

Die ägyptische Seite hat die Verwicklung von Sicherheitsdiensten in die Ermordung des 28-Jährigen stets bestritten. Zunächst behauptete sie, Regeni sei bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen. Später hieß es, er sei das Opfer einer auf die Entführung von Ausländern spezialisierten Bande, die später zerschlagen worden sei.

Der Umgang mit den Ermittlungen hatte immer wieder zu heftigem Streit zwischen Rom und Kairo geführt. Italienische Medien und westliche Diplomaten hatten Mitglieder der ägyptischen Sicherheitskräfte hinter der Tat vermutet.

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