■ Mit Wahlfängern auf du und du: Gekaufte Stimmen
Berlin (taz) – Seit gestern tagt in Puerto Valleta (Mexico) die Internationale Walfangkommission (IWC). Vertreter der heute über 30 Mitgliedsstaaten wollen bis Freitag über zwei Tagungsordnungspunkte beraten: Über die Einrichtung einer Schutzzone im Antarktischen Meer und über das sogenannte „Revidierte Walfangsysten“ (RMP) – ein Rechenmodell, das den Fang der Meeressäuger international regeln soll.
Zwei Länder – Japan und Norwegen – hoffen, mit diesem System, das seit 1986 geltende, faktische Fangverbot für Großwale aufheben zu können. Die IWC hatte 1982 ein Moratorium beschlossen, das die Jagd auf Großwale nur zu „wissenschaftlichen Zwecken“ zuläßt, bis geklärt ist, unter welchen Bedingungen sie „nachhaltig“ befischt werden können. Einige Arten waren in wenigen Jahrzehnten auf etwa ein Prozent ihres Bestandes dezimiert worden.
Ein erster Entwurf dieses Rechenmodells ist auf der letzten IWC-Jahresversammlung gescheitert. Auch den meisten Regierungsdelegationen war aufgestoßen, das die angeblich wissenschaftlichen Daten überwiegend aus norwegischen Fischereiinstituten stammten. Eine überarbeitete Fassung dürfte in diesem Jahr angenommen werden, befürchtet Greenpeace. Die meisten Umweltschutzgruppen sind sich darin einig, daß die versprochenen Regeln und Quoten für nachhaltigen Walfang jeder Grundlage entbehren. Weder seien die Bestandsgrößen bekannt, noch sei genügend erforscht, wie sich andere Umwelteinflüße (Wasserverschmutzung und -erwärmung) auf die überaus sensiblen Tiere auswirken.
Lebenswichtig sei deshalb die Schutzzone, die auf Antrag Frankreichs südlich des 40. Breitengrades eingerichtet werden soll, argumentiert unter anderem Greenpeace. Hier wäre jede Art des Walfangs verboten, und anders als bisher, könnten Piraten leicht aufgespürt werden. Aber dieses zeitlich unbefristete Verbot kann nur mit einer Dreiviertelmehrheit der Stimmen in der Walfangkommission durchgesetzt werden. Ganz offiziell hat die japanische Regierung angekündigt, sie werde karibische und pazifische Kleinstaaten (etwa Grenada) mit Finanzhilfe unterstützen, damit sie gegen die antarktische Schutzzone stimmten. nh
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