Mit Geduld zum Erfolg: Die Männer dürfen bleiben

Das Ledigenheim ist gerettet. Eine gemeinnützige Stiftung hat das Wohnhaus für alleinstehende Männer vom dänischen Investor zurückgekauft.

Bleibt für die Bewohner erhalen: das Ledigenheim Foto: Korbainsky/wikimedia commons

HAMBURG taz | Wer hätte das gedacht? Eine kleine Gruppe junger Idealisten hat es geschafft, das Ledigenheim in der Rehhoffstraße einem dänischen Investmentfonds abzukaufen. Die Stiftung Ros will das Gebäude nun für die Bewohner erhalten. Spenden und ein Kredit machen es möglich, das Wohnheim für alleinstehende Männer wieder dem Immobilienmarkt zu entziehen – und in die Gemeinnützigkeit zu überführen.

„Endlich erledigt“, sagt John Fisker Bødker vom dänischen Investmentfonds Core Property Management bei der Übergabe der Immobilie an die Stiftung. Heute sei er froh über diese Wendung. Dabei hatten die Dänen eigentlich ganz andere Pläne: Als sie das Gebäude 2009 kauften, wollten sie die kleinen Zimmer zusammenlegen und Studentenwohnungen schaffen. Doch die Stadt und das Bezirksamt Mitte wollten keine Veränderungen und verwiesen auf die soziale Erhaltungsverordnung. Jetzt verkaufe der Investor das Haus, ohne Profit zu machen, sagt Bødker. „Wir wollen eben gute Bürger sein.“

Aus dem Gegner von einst ist ein Partner geworden, der viel Geduld aufgebracht hat. „Es ist nicht immer alles so schwarz und weiß, wie man denkt“, sagt Antje Block vom Vorstand der Stiftung Ros. Anfangs habe sie gedacht, es handele sich um einen bösen Investor. Doch in den letzten vier Jahren sei dieser zu einem der verlässlichsten Partner geworden. Weil sie das für den Kauf nötige Geld nicht so schnell zusammen bekommen haben, ließ er Fristen immer wieder verstreichen. „Es lohnt sich, durchzuhalten“, sagt Block.

„Man geht immer davon aus, dass sich Politiker einsetzen, weil sie sich in den Vordergrund drängen wollen“, sagt Jade Jacobs. Doch beim Ledigenheim hätten sich alle Beteiligten sachorientiert gezeigt. Auch Arik Willner, SPD-Fraktionschef in der Bezirksversammlung Mitte, hat das Projekt unterstützt. „Es ist wichtig, dass die Politik den Freiraum und die Rahmenbedingungen schafft, damit so etwas möglich ist“, sagt er. Solche Projekte seien aber nur realisierbar, wenn sich Leute finden, die sich ihm verschreiben.

Das 1912 vom Hamburger Bauverein errichtete Gebäude westlich des Herrengrabenfleets funktionierte fast 90 Jahre lang als Wohnheim für ledige Hafenarbeiter, Seeleute und Arbeiter.

Mitte der 1990er-Jahre verlor das Haus aber seinen gemeinnützigen Status und sollte Profit bringen.

Im Jahr 2009 kaufte ein dänischer Immobilienfonds den ganzen Wohnblock. Eigentlich wollte dieser Fonds das Heim zu Studentenwohnungen umbauen, die einzelnen Zimmer zu größeren Wohnungen zusammenfassen und zu gängigen Marktpreisen vermieten.

Doch das Bezirksamt Mitte berief sich auf die Soziale Erhaltensverordnung und verhinderte den Umbau.

Jetzt gehört das Gebäude wieder einer gemeinnützigen Stiftung, es soll für die Bewohner erhalten bleiben.

„Wir haben immer fest daran geglaubt“, sagt Werner Scobel. Er ist 70 Jahre alt und wohnt seit 1967 im Ledigenheim in der Rehhoffstraße. Früher war er viel unterwegs. „Auf Montage im In- und Ausland“, wie er sagt. Er ist froh, dass er hier bleiben kann.

Als erstes soll nun der Dachstuhl wieder auf Vordermann gebracht werden. „In Zukunft soll auch ein Fahrstuhl her“, sagt Scobel, „damit das Haus für die Bewohner altersgerecht wird“. Aber die Zimmer bleiben, wie sie sind: Mini-Zimmer von 8,3 Quadratmetern.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de