Miniserie „Little Fires Everywhere“: Wenn alles in Brand gerät

Nach „Big Little Lies“ erscheint die neue Serie von Reese Witherspoon. Der Krimi entpuppt sich als Drama über Rassismus und Mutterschaft.

Zwei Frauen stehen in einer Küche

Die zwei Mütter Mia (K. Washington, l.) und Elena (R. Witherspoon) aus „Little Fires Everywhere“ Foto: Erin Simkin/Hulu

Das Haus der Familie Richardson steht in Flammen. Wobei Haus untertrieben ist, Villa oder Anwesen trifft es wohl besser. Doch wer hat es niedergebrannt? Die eigene Tochter? Die neue Mieterin? Oder deren Kind? Brandstiftung war es, das steht fest. Der Polizeibeamte vor Ort bestätigt dies: Es waren „Little Fires Everywhere“.

Schon die ersten Seiten des Bestsellerromans von Celeste Ng lesen sich wie der Beginn einer spannenden TV-Serie. Liz Tigelaar hat dies nun umgesetzt, mit Ng als Co-Autorin und Reese Witherspoon als Producerin. Bekannt geworden als Schauspielerin von eher durchschnittlichen Hollywood-Filmen wie „Eiskalte Engel“ oder „Natürlich Blond“ ist Witherspoon nun zu einer erfolgreichen Serienmacherin geworden. Ihr erstes Projekt als Producerin (und Hauptdarstellerin), die HBO-Serie „Big Little Lies“, brachte ihr acht Emmys und vier Golden Globes ein und ihre neuste Erscheinung „The Morning Show“ (Apple TV) über #MeToo in der Medienbranche ist nicht minder beeindruckend.

In „Little Fires Everywhere“ gibt Witherspoon nun das wohlhabende Familienoberhaupt Elena Richardson. Ihre sechsköpfige Familie wohnt in Shaker Heights, eine Planstadt in Ohio, in der Sicherheit und Regeln das höchste Gut sind. Elena, die halbtags als Journalistin arbeitet, versucht alle, die nicht in ihr geschlossenes Weltbild passen, hineinzudrücken. Wie ihre widerspenstige Teenagertochter, die sich die Haare anzündet und das Orchester-Vorspiel sabotiert oder ihre neue Mieterin Mia Warren (Kerry Washington), von der Elena nicht müde wird zu betonen, dass sie „african american“ ist – und der sie freundlicherweise eine Stelle als Haushälterin anbietet.

Der Mythos der Color Blindness

Auf der ersten Blick erscheint die Serie wie einer Aneinanderreihung von Klischees: Die ordnungsliebende weiße Familie, in der die Eltern sogar ein festes Zeitfenster für Sex haben (mittwochs und samstags, aber nicht nach Mitternacht) gegenüber der alleinerziehenden Schwarzen Mutter, die als Künstlerin versucht zu überleben und von einem „dunklen Geheimnis“ heimgesucht wird.

„Little Fires Everywhere“, ab Freitag, 22. Mai bei Amazon Prime Video, auch in deutscher Synchronisation

Auf den zweiten Blick offenbart sich die acht Episoden lange Serie als eine überzeichnete Gesellschaftsstudie, in der die ach so netten Angebote und Handlungen von Elena Richardson als paternalistische Gesten entlarvt werden. Viel stärker noch als in dem Roman – in dem die race bloß bei weißen Menschen explizit genannt wird – spielt in der Serie der Rassismus der weißen Oberschicht sowie das sozio-ökonomische Gefälle zwischen Familie Richardson und Warren eine Rolle.

Die Frage, wer das Haus denn nun angezündet hat, steht nicht im Vordergrund der Handlung – auch wenn der Frage in wiederkehrenden Rückblenden auf den Grund gegangen wird. Vielleicht auch, weil eh allen klar ist, wer es gewesen sein muss. Viel mehr als ein Krimi ist die Miniserie dann ein komödiantisches Drama, das sich mit dem Mythos der Color-Blindness, also dem strukturellen Übersehen von Rassismus („Ich sehe keine Hautfarben“), sowie dem Thema der (Leih-)Mutterschaft und den Vorstellungen eines guten Lebens beschäftigt.

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