piwik no script img

„Milch mit Honig hilft tatsächlich“

ERNÄHRUNG Lebensmittel wie Schokolade oder Wein können bei Schlafstörungen wie Medizin wirken

taz: Frau Wolff, hilft warme Milch mit Honig wirklich beim Einschlafen?

Dörten Wolff: Ja, das wirkt tatsächlich. Milch mit Honig macht müde, weil der Körper daraufhin mehr Insulin ausschüttet.

Kann man also Schlafprobleme mit der richtigen Ernährung behandeln?

Ja, das kann man, aber die Wirkung von Lebensmitteln kann sehr unterschiedlich sein, weil kein Mensch gleich ist. Deswegen gibt es auch keine einheitlichen Ernährungsempfehlungen bei Schlafproblemen.

Woher wissen Sie dann, welche Lebensmittel helfen?

Im Institut für Nahrungsmittel­unverträglichkeiten testen wir die individuelle Wirkung von Nahrungsmitteln auf das vegetative Nervensystem über einen Speicheltest aus. Unter anderem unterscheiden sich Menschen in ihrer Nüchternspeichelmenge. Menschen mit zu viel Speichel zeigen ganz andere Beschwerden als Menschen mit zu wenig Speichel.

Was hat denn die Speichelproduktion mit Schlafproblemen zu tun?

Menschen mit geringer Speichelproduktion neigen zu Einschlafstörungen. Im Gegensatz leiden Menschen, die viel Speichel im Mund haben, eher unter Durchschlafstörungen.

Und was sollten diese Patienten essen, um entspannt schlafen zu können?

Der Mensch mit Einschlafstörungen benötigt den kleinen Betthupferl. Etwas Süßes, so wie die Schokolade, die häufig im Hotelzimmer auf dem Kopfkissen liegt. Menschen, die Probleme haben durchzuschlafen, können sich mit einem Gläschen Wein oder Bier systemisch zur Ruhe bringen. Auf jeden Fall sollten diese Typen nicht zu spät die letzte Mahlzeit vor dem Schlafengehen einnehmen.

Alkohol als Einschlafhilfe?

Zu viel Alkohol stört auf jeden Fall den Schlaf. Aber bei Menschen, die viel Speichel produzieren, kann es – in Maßen genossen – helfen. Doch Vorsicht, der eine oder andere könnte vielleicht aufgrund einer Weizen- oder Fruchtzuckerunverträglichkeit Beschwerden bekommen.

Dörten Wolff

ist Allgemeinärztin und Ernährungsmedizinerin. Zurzeit leitet sie das Institut für Nahrungsmittelunverträglichkeiten in Hamburg. In ihrem Buch „Nahrung statt Medizin“ erklärt sie die physische und psychische Wirkung von verschiedenen Lebensmitteln.

Viele Ernährungsratgeber predigen den Verzicht auf Kohlenhydrate beim Abendessen. Sollten die generell vermieden werden?

Nein, Menschen mit wenig Speichel brauchen sie geradezu. Allerdings sollten sie keine Kohlenhydratmischungen wie Kekse essen, die Getreide und Zucker enthalten, sondern nur Zucker, Schokolade oder Obst. Selbstverständlich kann jeder abends belegte Brote oder ein warmes Essen, zum Beispiel mit Kartoffeln, vertragen.

Ist die Ernährungsmedizin der Naturheilpraxis oder eher der konventionellen Medizin näher?

Nahrungsmittel haben zweifellos eine hoch potente Wirkung. Die Diagnostik ist eher der Schulmedizin und der Therapieansatz der Homöopathie nahe. Es hat also Elemente von beiden medizinischen Richtungen. Wenn man weiß, wie Lebensmittel wirken, kann man sie sogar therapeutisch bei Beschwerden einsetzen.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen