Michael Brake Geschmackssache: Für mich bitte kein Kofferwortgebäck
Foto: Erik Irmer
Es wäre schon eine bessere taz mit Rosinenbrötchen, schrieb mir eine Kollegin neulich, und natürlich hat sie recht. In unserem hauseigenen Café gibt es als Morgengebäck nur Franzbrötchen und Croissants, weswegen ich aus Rosinenbrötchengründen manchmal bei der Bäckereikette Kamps lande. Dort wird momentan noch ein anderes, zeitlich limitiertes Produkt beworben: der Crouppi. Der – oder das? – will eine Mischung aus Croissant und Wuppi sein, und ist damit nichts Geringeres als das lange vermisste Bindeglied zwischen zwei schon viele Jahre existierenden Backwarentrends.
Ein Wuppi ist ein leicht süßes Quarkteiggebäck und zugleich ein prominenter Vertreter von Trend 1: Bäckereiprodukte mit peinlichen Namen. Denn wenn deutsche Bäcker ihre neuen Kreationen benennen müssen, werden sie dabei leider oft so originell (im Sinne von „originelle Brille“ bei Männern mit Midlife-Crisis), wie es im deutschen Handwerk sonst nur Friseursalons sind. So liegen bei Kamps neben dem Wuppi noch der Roggster und der Fanblock aus, anderswo warten Körnerbursche, Schokolino, Hefekrone … und all diese Wörter sollen wir Kunden dann tatsächlich aussprechen. Deutlich näher dran am Sprachgebrauch ist man da übrigens bei der Hipsterkette „Zeit für Brot“, wo es ein Käsedings gibt, und ja, „Geben Sie mir einfach dieses Käsedings“, so würde ich tatsächlich bestellen.
Trend 2 hatte seine große Zeit vor über zehn Jahren, es handelt sich um Kofferwortgebäcke, auch Hybrid Foods genannt. Es begann im Mai 2013, als ein französischer Patissier in New York einen Donut aus Croissantteig formte und ihn Cronut nannte. Nur zwei Monate später folgte in Melbourne der Cruffin (Croissant/Muffin), und schon bald explodierte das Genre, brachte Cragel, Croffle, Brookie und Wonut, Macaringue, Cretzel und Donnoli hervor. In Berlin gab es ab 2015 eine regionale Variante, den Spluffin (Splitterbrötchen/Muffin).
Womit wir wieder beim Crouppi wären. Mit 3,90 Euro kostet er etwa so viel wie ein Croissant und ein Wuppi zusammen, er ist dem Preis angemessen riesig und leider furchtbar trocken. Da ist nichts übrig von der fetttriefenden Fluffigkeit eines guten Croissants. Das hat man bei Kamps wohl auch bemerkt und einfach noch eine Cremefüllung hinein und eine fette Schokoglasur obendrauf gepackt; mit der Aus-2-mach-1-Idee hat das nur noch bedingt zu tun. Weil die Füllung zudem sehr großzügig bemessen, ein Crouppi aber enorm hoch ist, kann man ihn kaum würdevoll essen. Es quillt an den Seiten heraus.
Michael Brake blickt jeden Monat auf neue und alte Trends in Restaurants, Küchen und Supermarktregalen.
Bis Ende Oktober kann man den Crouppi bei Kamps noch kaufen. Beeilen Sie sich nicht, damit Sie ihn verpassen!
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