Metas Zensurpolitik: Instagram cancelt Berliner Kitkat-Club
Profile der Berliner Clubs Kitkat und Insomnia wurden ohne Vorwarnung gelöscht. Seit Monaten geht Meta gegen queere Inhalte vor.
Seit Mittwoch ist der Instagram-Account des Kitkat-Clubs wieder aufrufbar. Doch statt Werbung für die kommenden Veranstaltungen, die Partys Unity und Four Play am Donnerstag und Freitag, findet sich dort lediglich ein aktueller Post, der einen alternativen Account auf der Plattform Werz bewirbt, als „Alternative zu den Big Tech Social-Media-Plattformen“, wie es heißt.
Nur wenige Tage zuvor hatte Meta, der US-amerikanische Konzern hinter Instagram, den Account des sexpositiven Clubs mit seinen 213.000 Followern ohne Vorankündigung gesperrt. Betroffen ist nicht nur Berlins bekanntester Club jener Szene, sondern auch zwei Profile des Nacht- und Swingerclubs Insomnia, die weiterhin nicht auffindbar sind, sowie Accounts von Partyveranstaltern.
Wie zunächst der RBB berichtete, wurden beide Betreiber mit ihren verifizierten Accounts nicht über die konkrete Gründe der Löschung informiert. Erfolgt sei lediglich ein Hinweis, dass die Konten bzw. Aktivitäten gegen „Gemeinschaftsstandards“ verstoßen hätten. Aus dem Insomnia hieß es dazu: „Wir haben eine sehr strikte Bilder-Policy – FSK 12 –, das bedeutet, dass alles bedeckt ist. Es gibt keine freien Brüste zu sehen oder sonst irgendwelche Genitalien.“
Beide Clubs hätten umgehend Widerspruch eingelegt, auch weil die Accounts zentrale Kommunikationskanäle seien: Laut Insomnia seien sie essentiell für „Veranstaltungsankündigungen, Reichweite, Community-Pflege, Gästeinformation und ganz konkret auch für den Ticketverkauf.“ Ein Anwalt sei bereits eingeschaltet, um sich auch rechtlich gegen die Löschung zu wehren.
Queere Inhalte werden gelöscht
Meta verbietet in seinen Richtlinien explizite sexuelle Darstellungen, zu denen auch entblößte Genitalien oder, in den meisten Fällen, sichtbare Brustwarzen gehören. Die Löschung von Inhalten übernimmt eine KI, die zu Overblocking neigt, wie Kritiker:innen seit langem sagen. Im Zweifel wird also gelöscht.
Dabei reihen sich die aktuellen Löschungen in ein Muster ein. Seit Oktober geht der Konzern vermehrt gegen Inhalte zu reproduktiver Gesundheit und Queer-Themen auf seinen Plattformen vor. Bereits im Dezember wurden Dutzende Konten von Anbietern von Abtreibungsdienstleistungen, queeren Gruppen und Organisationen für reproduktive Gesundheit gelöscht oder eingeschränkt.
Betroffen waren laut der NGO Reprouncensored zufolge auch etwa 15 Accounts von Clubs und Partyreihen, etwa in London und Amsterdam.
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