Meinungsfreiheit in Russland: Moskau verschärft Mediengesetze
Russland schränkt die Arbeit von ausländischen Journalist:innen weiter ein. So will der Kreml kritische Berichterstattung verhindern.

Demnach wird die Staatsanwaltschaft mit weitreichenden Befugnissen ausgestattet. Sie hat das Recht, die Registrierung und die Lizenz ausländischer Sender, Zeitungen und Onlinepublikationen zu widerrufen, sollten diese „illegale Informationen verbreiten, darunter auch Materialien, die eine klare Missachtung der Gesellschaft, des Staates und der Verfassung der Russischen Föderation zum Ausdruck bringen“. Zudem kann die Arbeit von ausländischen Medien eingeschränkt oder untersagt werden, wenn in deren Heimatländern „unfreundliche Handlungen gegen russische Medien“ zu beobachten seien.
Was „illegale Informationen“ oder „unfreundliche Handlungen gegen russische Medien“ sind, bestimmt der russische Staat. So könnte zum Beispiel das Sendeverbot für den russischen Staatssender RT in Deutschland als eine solche „unfreundliche Handlung“ ausgelegt werden. Das Gesetz sorgt für weitere Verunsicherung unter russischen und ausländischen Journalist*innen, weil der russische Staat damit zusätzliche Instrumente der Willkür schafft.
Die Verschärfung ist eine Erweiterung des im März beschlossenen „Fake News“-Gesetzes, wonach es russischen wie ausländischen Medienschaffenden untersagt ist, russische Streitkräfte zu „diskreditieren“. Wer dagegen verstößt, kann mit bis zu 15 Jahren Haft belangt werden. Die sogenannte Diskreditierung besteht bereits darin, den Einsatz der russischen Armee in der Ukraine zu kritisieren und das, was dort passiert, als Krieg zu bezeichnen.
Die offiziöse Sprachregelung Moskaus lautet „militärische Spezialoperation“. Seit der Annahme des „Fake News“-Gesetzes ist nach Recherchen der russischen Bürgerrechtsorganisation OWD-Info kein Tag vergangen, an dem nicht jemand wegen der „Diskreditierung der russischen Armee“ festgenommen wurde.
Zudem wurde diese Woche das sogenannte „Ausländische Agenten“-Gesetz verschärft. Mittlerweile macht jeglicher „Einfluss aus dem Ausland“ sowohl Russ*innen als auch Ausländer*innen in Russland zu einem potenziellen Agenten. Dadurch ist jeder Mensch in Russland gefährdet, der mit ausländischen Journalist*innen spricht.
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Koalitionsverhandlungen
Der SPD scheint zu dämmern: Sie ist auf Merz reingefallen
Parkinson durch Pestizide
Bauernverband gegen mehr Hilfe für erkrankte Bauern
Iranische Aktivistin über Asyl
„Das Bamf interessiert wirklich nur, ob du stirbst“
Anlegen nach dem Crash
Ruhe bewahren oder umschichten
Strafe wegen Anti-AfD-Symbolik
Schule muss Tadel wegen Anti-AfD-Kritzeleien löschen
Von Frankreich lernen
Wie man Rechtsextreme stoppt