Mehr Häuser für die Westbank: Netanjahu treibt Siedlungsbau voran
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will hunderte von neuen Baugenehmigungen für Siedlungen im Westjordanland erteilen. Erst danach soll es vielleicht einen Baustopp geben.
JERUSALEM rtr/ap/dpa | Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will nach Angaben eines Vertrauten den Ausbau jüdischer Siedlungen im Westjordanland vorantreiben. Erst nach der Erteilung hunderter Baugenehmigungen werde Netanjahu ein mehrmonatiges Siedlungs-Moratorium in Betracht ziehen, sagte ein israelischer Regierungsmitarbeiter, der anonym bleiben wollte, am Freitag. Ein solches Vorgehen wäre ein Affront gegenüber US-Präsident Barack Obama, der einen vollständigen Stopp des Siedlungsbaus gefordert hat.
Ein Mitarbeiter von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas kritisierte die Ankündigung. "Ein partielles Siedlungs-Moratorium ist nicht genug", sagte der Abbas-Mitarbeiter Nabil Abu Rdainah. Die seit Dezember unterbrochenen Friedensverhandlungen würden nicht wieder aufgenommen, bis Israel den vollständigen Siedlungs-Stopp versprochen habe.
Mitglieder von Netanjahus Likud-Partei bekräftigten derweil ihre Forderung, den amerikanischen und palästinensischen Wünschen nicht nachzugeben. Danny Danon vom rechten Flügel des Likud sagte dem israelischen Radio, die Partei werde nicht einfach Netanjahus Entscheidungen durchwinken. Stattdessen würde die Partei gegen jegliche Ankündigung eines Siedlungs-Stopps Widerstand leisten.
Netanjahu-Berater betonten, dass der für später geplante Baustopp der israelischen Regierung den Bau der neuen Einheiten und die Fertigstellung der derzeit im Bau befindlicher 2.500 Anlagen nicht betreffen werde. Auch eine Aussetzung des Häuserbaus jüdischer Siedler im arabischen Ostteil Jerusalems werden von einem Baustopp nicht berührt.
Im Laufe des Tages sollte Palästinenserpräsident Abbas in Paris mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy zusammenkommen, um über die Perspektiven für ein Nahost-Friedensabkommen zu beraten. Der Nahost-Konflikt wird auch Thema bei einem Treffen der EU-Außenminister sein, das am Freitag in Stockholm beginnt.
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