Martin Sonneborn über seine Sendung

„Eine extrem unseriöse Reportage“

Finanzkrise, Korruption oder Lobbyismus: Martin Sonneborn rettet auf ZDFneo die Welt. Mit Humor und Satire geht er die großen Probleme an.

Der moderne Held hat viel um die Ohren. Bild: kallejipp / photocase.com

taz: Herr Sonneborn, mit Ihrer neuen Sendung versuchen Sie immer donnerstags in drei Folgen die Welt von Finanzkrise, Umweltzerstörung und Korruption zu befreien. Konnten Sie Ihren Auftrag erfüllen?

Martin Sonneborn: Der Titel ist schlecht formuliert. Ich habe zwar versucht, die Welt zu retten, das Ganze jedoch nur aus finanziellen Motiven. Weltretter – das ist ein Job wie jeder andere. Und eigentlich ganz bequem. Man kann ausschlafen und schmeißt sich dann in seinen Anzug und sein Supermann-Shirt.

Ob es uns wirklich gelungen ist, weiß ich nicht. Ich bin da skeptisch. Aber das sage ich jetzt nur Ihnen, weil die taz eine kritische Zeitung ist, die von intelligenten Menschen gelesen wird. Denen kann man nicht vormachen, dass wir für ihre Haushaltsabgabe die Welt in 90 Minuten gerettet hätten.

Eine reine Produkttäuschung.

Stimmt. Ich hab mir den Titel nicht ausgedacht, der stammt von neo. Ich hätte gesagt, Sonneborn versucht in einer extrem unseriösen Reportage mit unsauberen, Gonzo-journalistischen Methoden und dem, was er bei Titanic und der „heute show“ gelernt hat, sich den drängenden Problemen unserer Zeit anzunehmen. Das wäre aber zu lang gewesen.

Worunter wird die Menschheit am meisten leiden?

Der 48-Jährige war Chefredakteur der Titanic, jetzt ist er Außenreporter der „heute show“ und Vorsitzender der Partei „Die Partei“. Sonneborn hat seine Magisterarbeit über die „absolute Wirkungslosigkeit von Satire“ geschrieben. Sie wurde mit einer 1 benotet.

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Die Sendung: „Sonneborn rettet die Welt“, drei mal donnerstags ab 10. Oktober, 22:45 Uhr, ZDFneo

Finanzkrise und die Auswüchse von Korruption und Lobbyismus können wir sicher überstehen. Die Energiekrise und der Niedergang der Umwelt bedrohen die Menschheit existenziell.

Wieso packen Sie gerade diese drei Themen an?

Jörgen Randes, Kopf des „Club of Rome“, hat uns aufgeklärt. Wir wollten im Frühling nach Italien, und weil wir schlecht recherchiert hatten, dachten wir, der „Club of Rome“ sitze in Rom. Da Rom in der Dispo stand, mussten wir auch reisen. Zum Glück hat der Norweger Randers sein Buch „2052“ aber auch in Italien vorgestellt. Wir hatten noch ein viertes Thema, aber es war uns zu viel, die Welt gleich vier Mal zu retten. Jetzt sind mal andere dran.

Sie testen alternative Lebensformen. In der ersten Folge begegnen Sie Menschen, die ohne Geld leben möchten, und besuchen einen Schenkladen. Was noch?

Die skurrilsten alternativen Lebensformen fanden wir in einer deutschen Großbank. Ich habe da ganz neue Einblicke bekommen von den Verknüpfungen von Weltwirtschaft und Hedgefonds und der Frage, warum Menschen eine Bank überhaupt brauchen. Aber darüber darf ich nicht sprechen, weil sonst die Ausstrahlung der Sendung gefährdet ist.

Also wird es nur lustig?

Man kann keine 30-minütigen „heute show“-Filme machen. Es gibt auch erholsame retardierende Momente und ästhetisch ansprechende Bilder von Rollerfahrten durch Berlin oder meinem Ankleidevorgang morgens.

Als Vorsitzender der Partei „Die Partei“ sind sie auch in der Politik aktiv. Warum versuchen Sie nicht, über diesen Weg die Welt zu retten?

In der Politik kümmern Typen wie Merkel und ich uns nicht um langfristige Probleme, sondern lieber um tagesaktuellen medienkompatiblen Quatsch. Außerdem: Im Prinzip bin ich Fatalist. Probleme nehme ich zur Kenntnis und freue mich, wenn ich satirisch darauf reagieren kann.

Ich habe den Verdacht, dass es eventuell möglich ist, die Welt zu retten. Die Menschheit hat sich schließlich unter widrigen Bedingungen entwickelt. Aber ich werde ab sofort vor dem Kaffeehaus sitzen und zusehen, wie die Menschen ihre Probleme in den Griff kriegen. Ich bin da ein bisschen skeptisch, aber ich wünsche alles Gute.

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